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Presseartikel vom 12.09.2010 aus der OTZ.
 
Friedlicher und farbenfroher Protest gegen Rechts in Pößneck
 
"Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele Familien waren. So etwas sagt einem ja keiner." Recht beeindruckt war Gymnasiast Johannes Schulz vom Mahngang zu den ehemaligen Wohnstätten jüdischer Familien, mit dem am Samstag der Aktionstag gegen Rechtsextremismus in Pößneck begann.
 
Pößneck. Konfirmanden und andere Interessenten waren Pfarrer Jörg Reichmann und Philipp Gliesing vom Aktionsbündnis Courage durch die Stadt gefolgt.
 
Letzterer hatte vor einigen Jahren, als er selbst noch Gymnasiast war, als Erster ernsthaft recherchiert, was die Pößnecker Juden in der Nazi-Zeit erlitten haben. Allerdings sind nicht einmal die Schicksale aller zwölf Familien, an die der Mahngang erinnerte, aufgeklärt. Spannend zu wissen wäre beispielsweise, warum Martha Trabert, die Auschwitz überlebt hatte und nach Pößneck zurückgekehrt war, am Ende in Einsamkeit starb.
 
Gemeinsamkeit bescherte am Mittag der Menschen-Banner-Kette am Schützenhaus Erfolg. Christen und Linke, Antifa-Jugendliche und ganz normale Bürger aus Pößneck und teils weit darüber hinaus, insgesamt vielleicht 300 Menschen, durften mit mehreren zig Bannern den Neonazi-Hort zwar nicht umschließen, weil das Behörden und Polizei nicht so gut fanden. Die Aktion war aber nicht zu übersehen. Besondere Momente waren es, als die Stadtkirchenglocken läuteten und alle minutenlang im stillen Protest verharrten.
 
Eine ganze Reihe Banner fiel durch Farbenvielfalt auf, andere durch die Slogans. Diese reichten von witzig ("Über uns scheint die Sonne, über Nazis die ganze Welt!") über hintergründig ("Ihr seid Nazis? Mit Bildung wäre das nicht passiert!") bis militant ("Kein Vergeben, kein Vergessen, Nazis haben auch Adressen").
 
In die Demonstrationen reihten sich nicht nur wieder Gäste aus ganz Thüringen, sondern auch Angelika Cämmer aus Grimma ein. Mit ihrer Tochter und deren Freundin angereist, hatte sie mehr Einheimische auf der Straße erwartet. Wo sie bislang gegen den Rechtsextremismus mit demonstriert habe, sei stets "die halbe Stadt auf den Beinen gewesen".
 
Das war sie am Samstag nicht. Allerdings bescheinigte Wolfgang Brand vom Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Jena, dass in dem Jahr seit dem Neonazi-"Fest der Völker" "ganz viel gewachsen" sei in Pößneck. Die hiesigen Aktionen seien "kontinuierlicher und konsequenter", fand er und freute sich, dass am Samstag so "friedlich und fröhlich" protestiert wurde.
 
Gewachsen ist beispielsweise das Schülerbündnis für Vielfalt am Pößnecker Gymnasium. Die jungen Leute wollen dran bleiben. "Es kann nicht sein, dass unsere demokratische Gesellschaft durch Rechtsextremismus unterwandert wird", sagte Johannes Rozanowske entschlossen.
 
Politische Schützenhilfe im Kampf gegen den Rechtsextremismus erwarten die Aktiven vor Ort von der Landesregierung. Die ist noch das vor einem Jahr in Pößneck angekündigte Landesprogramm gegen Rechtsextremismus schuldig. Vor allem deshalb, weil sich der Landtag nicht über den Extremismus-Begriff einigen kann, so die Quintessenz eines Polit-Talks im Lutschgenpark.
 
Moderator Frank Hofmann vom Bildungswerk Blitz hatte u. a. Bodo Ramelow (Linke), Frank Roßner (SPD), Siegfried Wetzel (CDU) und Dirk Adams (Grüne) Erklärungen abgenommen. Und Jenny Zimmermann von der DGB-Jugend überreichte den Politikern T-Shirts mit der Brust-Aufschrift "Wir sind extrem...": Der Slogan nimmt mit seiner Fortsetzung auf dem Rücken die landespolitische Extremismus-Debatte charmant auf die Schippe.
 

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