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Presseartikel vom 12.06.2010 aus der OTZ.
 
Expertin: Pößnecker Schützenhaus womöglich weiter in rechter Hand
 
Bei einem Vortrag in Pößneck erklärte Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke, dass das Pößnecker Schützenhaus nach dem Tod von Jürgen Rieger möglicherweise weiter in rechter Hand bleibt. Dazu hatte sie eine Fülle an Informationen über Rechtsextremismus im Gepäck
 
Pößneck. "Sie kommen vom Regen in die Traufe", bescheinigte Andrea Röpke den Pößneckern. Das Schützenhaus ist nämlich dabei, an die "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" aus Ellerau bei Hamburg zu fallen, berichtete die Autorin und Rechtsextremismus-Expertin.
 
Diese Gesellschaft fühlt sich der nationalsozialistischen Rassenideologie verpflichtet und ihr stehe mit Marc Müller "ein Fanatiker durch und durch" vor, sagte Röpke im Pößnecker Ratssaal vor etwa 40 Hörern.
 
"Die Frau, die die Nazis jagt", hatte Philipp Gliesing vom Aktionsbündnis Courage die 45-jährige Publizistin vorgestellt. In Pößneck sprach Röpke über "Nazis in Nadelstreifen", wie auch ihr jüngstes Buch heißt, die rechtsextremistische Organisation Heimattreue deutsche Jugend oder den in Pößneck bekannten Neonazi André Kapke. Wird er hier mitunter belächelt, nennt ihn Röpke "gefährlich". Kapke habe beispielsweise "schon früh" angefangen, politische Gegner zu Einschüchterungszwecken zu fotografieren.
 
55 fesselnde Minuten lang dauerte ihr Hauptvortrag und bei den zu hörenden Fakten wurde es einem mitunter kalt in der Hitze am Donnerstagabend. Sachlich, ohne jeden missionarischen Eifer, allein mit der Kraft der Tatsachen warnte Röpke davor, die rechte Szene zu unterschätzen.
 
Die sei nicht pleite, wie es oft heiße, vielmehr breite sie sich Schritt für Schritt aus, auch mit Hilfe staatlicher Gelder, die die NPD dank Wahlerfolgen beanspruchen kann. Die Szene verdient Geld mit Puzzles "Deutschland in den Grenzen von 1937", Parfüms "Walküre" oder "Adolf-Hitler-Wein".
 
Ehemalige Skinheads und Skingirls treiben heute Volkstanz, beschrieb Röpke den Weg der Neonazis vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte. Sie machen in Sportvereinen, Chören oder Freiwilligen Feuerwehren mit und suchen Unternehmerstammtische auf, um dort Stück für Stück ihr Weltbild zu verankern.
 
Frauen spielen in der Herrenrassengesellschaft zwar eine untergeordnete Rolle, diese in Kaffeekränzchen und als Mütter umso wirkungsvoller. Sogar Dieter Althaus (CDU) fiel da als Ministerpräsidenten mal rein: Er hatte die Ehrenpatenschaft für das sechste Kind einer Südthüringerin übernommen und ließ sich damit feiern, um nachher zu erfahren, dass die Frau eine extrem rechte Ideologin ist.
 
"Wie treten die Kinder aus solchen Familien in der Schule auf?", wollte Lehrerin Ulrike Landgraf wissen. "Unheimlich unauffällig", antwortete Röpke. Wenn sich Eltern plötzlich wegen des Heinrich-Heine-Stoffs im Unterricht beschweren, sei alles klar.
 
Gymnasiasten, die als Seminarfacharbeit ein Konzept zur Rechtsextremismus-Aufklärung im Unterricht schreiben wollen, fragten nach Berührungspunkten der Konservativen mit den Rechten. "Schnittstellen" sah Röpke im Bereich der Jungen Union und der Vertriebenen-Organisationen.
 
"Wo nehmen Sie Ihren Mut her?", fragte Claudia Dreßler die "Nazi-Jägerin". "Soweit her ist es da manchmal gar nicht!", entfuhr es Röpke. Sie ist ein ganz normaler Mensch. Den Rechtsextremismus zu entlarven, ist eben Aufgabe ganz normaler Menschen.
 
Weiterhin gibt es in Pößneck rechte Veranstaltungen. Zum "Thüringentag der nationalen Jugend" im Pößnecker Lutschgenpark werden bis zu 300 Teilnehmer und bis zu 500 Gegendemonstranten erwartet gerechnet.
 

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