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Presseartikel vom 15.09.2009 aus der OTZ.
 
Dorffeste sind spannender als internationale der NPD
Bei den Neonazis im Schützenhaus-Hinterhof
 
Pößneck (OTZ/mko). Politische Forderungen nach dem Verbot des so genannten Festes der Völker der NPD werden meist auch mit dem Hinweis begründet, dass solche Veranstaltung einer für die Demokratie gefährlichen Vernetzung der europäischen Neonazis dienen. Dieses Argument stimmt. Bei einem Gang durch den Hinterhof des Schützenhauses, wo die NPD mit richterlichem Segen feiern durfte, konnte am Samstagnachmittag wiederholt beobachtet werden, wie Teilnehmer an der Versammlung Mobiltelefonnummern und E-Mail-Adressen austauschten.
 
Die Veranstaltung war auch Bestätigung einiger Aussagen des Info-Abends vom 7. September im Pößnecker Ratssaal, wonach der Rechtsextremismus kein reines Jugend-Phänomen sei. Tatsächlich hatten sich nicht nur junge Leute zum Bier bei nationalistischen Reden getroffen, sondern auch gestandene Männer. Ja sogar zwei Unternehmer aus der Region "informierten" sich, wie sie sagten, auf der NPD-Veranstaltung. Der Rechtsextremismus ist auch kein reines Männer-Hobby: Das schwache Geschlecht war so schwach nicht vertreten. Ausgeschenkt wurde übrigens kein einheimisches Bier, wie im Vorfeld in Pößneck befürchtet wurde, sondern norddeutsches.
 
Meldete die Polizei etwa 450 Teilnehmer an der Veranstaltung, sprach der Verantwortliche André Kapke von der Jenaer NPD von rund 800 Gästen. Das seien "genau so viele Leute wie erwartet" gewesen. Von 1500 oder gar 2000 Teilnehmern, die der Jenaer NPD-Chef Ralf Wohlleben vollmundig angekündigt hatte (OTZ vom 14. Mai 2009), sei nie die Rede gewesen, behauptete Kapke am Samstag. Das internationale Fest fasste er mit "ganz gut" zusammen. Eine besonders tolle Stimmung konnte während des etwa 15-minütigen OTZ-Rundgangs über das Gelände jedoch nicht festgestellt werden. Dorffeste sind spannender.
 
Die Redner der Veranstaltung mit Teilnehmern von Bulgarien über "deutsche Österreicher" bis Spanien schwadronierten über "Verräter" in Regierungen. Von der Bühne waren Sätze wie "Ich glaube an die Zukunft der Weißen" zu hören. Von solcher Propaganda lenkte nicht nur der Polizeihubschrauber ab, sondern auch das Flugzeug, das mit dem Banner "Nazis raus aus der Stadt!" einige Runden über Pößneck drehte.
 
An den Ständen gab es Kleidungsstücke mit Aufdrucken wie "Spezialist für Körperverletzung". CDs trugen Titel wie "Das Recht zu hassen". Obskure Comics waren zu einem "Pößneck-Spezialpreis" zu haben: Aber auch an diesem Stand war der Betrieb nicht allzu rege.
 
Zum Zeitpunkt des Rundgangs - ein Ordner der NPD folgte dem Redakteur übrigens auf Schritt und Tritt - wurde gerade keine Musik (Rechtsrock) gespielt. Aus der Raniser Straße, wohin diese schallte, kam der Hinweis, dass sie "hässlich, brrr!" gewesen sei. Die Nachbarschaft des Schützenhauses wurde am Samstag vielfach mit Sätzen wie "Die armen Leute!" bedauert.
 
Während der Veranstaltung hielten sich scheinbar viele Neonazis auch direkt im Schützenhaus auf. Der Zutritt zu diesem wurde der Presse nach einer telefonischen Abstimmung des Ordners mit unbekannten Personen jedoch verwehrt.
 
"Wir werden schauen, ob sich Pößneck um das nächste Fest der Völker bewirbt oder nicht", antwortete Kapke auf die Frage, wo die NPD die nächste Veranstaltung dieser Art plane. Bis dahin wolle er "einige Polizeimaßnahmen" vom Samstag verwaltungsgerichtlich überprüfen lassen.
 

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