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Presseartikel vom 29.03.2009 aus der OTZ.
 
Friedlich gegen Rechts
Rund 300 Menschen demonstrieren zweieinhalb Stunden lang in Pößneck
 
Von OTZ-Redakteurin Sandra Hoffmann Pößneck. Zahlreich haben Bürger aus Pößneck und der umliegenden Region sowie aus Jena, Erfurt und Weimar am Samstag in Pößneck gegen Rechtsextremismus und das am Abend geplante Konzert rechter Bands im "Kulti" des Pößnecker Schützenhauses demonstriert. Die Versammlung der etwa 300 Teilnehmer verlief ohne Vorkommnisse, resümierte die Polizeidirektion (PD) Saalfeld. In enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Saale-Orla sowie der Stadt Pößneck hatte die PD den Einsatz intensiv vorbereitet und begleitet.
 
Auf ein breites Bündnis konnten Die Linke und die SPD Saale-Orla sowie das Aktionsbündnis Courage Pößneck als Organisator der Veranstaltung bauen. Sie wurden von Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, von der Gewerk- schaft und der evangelischen Kirche unterstützt.
 
Die etwa zweieinhalbstündige Demonstration mit Kundgebungen begann am späten Vormittag auf dem Pößnecker Marktplatz. Mit Applaus wurde hier die per Bahn angereiste und kurz vor 11.30 Uhr eintreffende etwa 50-köpfige Gruppe aus Jena mit Mitstreitern des Aktionsnetzwerkes gegen Rechtsextremismus und des Deeskalationsteams sowie Grünen-Landessprecherin Astrid Rothe-Beinlich begrüßt.
 
"Wir wollen von Pößneck aus klare Zeichen setzen, dass wir die NPD nicht im Schützenhaus wollen und wir die NPD auch nicht in den Parlamenten wollen", eröffnete Peter Lückmann vom Pößnecker Wahlkreisbüro der Linken die Kundgebung. "Wir sind nicht auf Konfrontation mit den Leuten aus dem Schützenhaus aus", betonte er.
 
Das Leitmotto "Alles muss man selber machen" sei gerechtfertigt, sagte Michael Ebenau von der IG Metall, der an das rechtsgerichtete Konzert vor fast genau vier Jahren im Schützenhaus erinnerte. "2005 war kaum etwas von Gegenwehr zu spüren, die Polizei war damals überfordert", zählte er auf. "Ich bin froh, dass heute so viele gekommen sind und gemeinsam gegen Rechts demonstrieren", sagte er. "Wir stehen heute anders da, als vor vier Jahren. Wir sind nicht unvorbereitet", pflichtete ihm Philipp Gliesing vom Aktionsbündnis Courage bei.
 
Mit Schildern, Transparenten und Schlagworten zogen die Demonstranten vom Marktplatz über den Steinweg, die Poststraße, die Bahnhofstraße, die Raniser Straße, die Alexander-Puschkin-Straße und die Straße des Friedens zum Weißen Turm. Die Teilnehmer hatten zuvor drei Gruppen gebildet, die für Finger einer Hand standen. Unterwegs blockierte jeweils ein Finger durch ein Probesitzen auf der Straße den von der Demonstrationsstrecke abzweigenden Zufahrtsweg zum Schützenhaus. Aus Fenstern, von Balkonen oder vom Gartenzaun aus beobachteten einige Pößnecker das Geschehen. "Leute lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein", riefen ihnen mehrere Demoteilnehmer zu.
 
Länger verweilte der Protestzug vor dem Schützenhaus. Vier Teilnehmer gingen bis zur Haustür, andere schwenkten demonstrativ vor dem Gartenzaun und dem Haus zugewandt ihre Fahnen. Das beunruhigte mehrere und nicht nur ältere Demonstrationsteilnehmer. Sie empfanden dieses Verhalten provozierend und hatten Angst, hörte unter anderem die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Künast.
 
"Wir sind gekommen, weil wir immer wieder und überall gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Intoleranz demonstrieren müssen", ermunterte Astrid Rothe-Beinlich in der Abschlusskundgebung am Weißen Turm.
 
"Wichtig ist, dass wir deutlich machen, dass der Widerstand sehr breit ist", sagte Landrat Frank Roßner (SPD). "Aber es ist noch Platz in unseren Reihen und es fehlen Gesichter, die wir gern noch gesehen hätten", stellte er fest.
 
"Wir brauchen die NPD und ihre Anhänger nirgendwo in Deutschland und auf der Welt. Wir müssen verhindern, dass weder in die Kommunalparlamente noch in den Kreistag oder den Landtag Rechte einziehen", so Dr. Dieter Rebelein, Vorsitzender der Kreistagsfraktion der Linken.
 
"Es wird nicht in erster Linie darauf ankommen, wem das Schützenhaus in Pößneck gehört. Es wird darauf ankommen, wem die Gesellschaft gehört, in der wir leben", meinte Kreisjugendpfarrer Joachim Preiser. "Wenn dieser Tag rum ist, sollten wir nicht darauf warten, bis ein neuer trauriger Anlass uns auf die Straße treibt. Dann sind wir dazu gerufen, im echten Sinne demokratische Bürgerinnen und Bürger zu sein."
 

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