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Presseartikel vom 22.02.2009 aus der OTZ.
 
Kunstwerke zum Abstimmen
Einwohner sollen über Entwürfe mitentscheiden, die die Toleranzgrenze bilden werden
 
Von OTZ-Redakteur Peter Cissek Pößneck.
 
Von heute an bis zum 5. März werden in Pößneck die 211 Entwürfe ausgestellt, mit denen sich 101 Künstler am Projekt "Toleranzgrenze beteiligen. Die Besucher der Galerie im Steinweg 14-16 können sich die Werke nicht nur ansehen, sondern unter diesen auch ihre Favoriten wählen. Das Votum fließt dann in das Urteil der Jury ein, die die drei besten Kunstwerke prämieren und jene acht auswählen will, die vermutlich ab Mai 2009 die Toleranzgrenze zum Schützenhaus markieren werden.
 
Die Stadt und der Verein Pößneck attraktiver möchten mit ihrem Kunstprojekt ein optisches Zeichen dafür setzen, dass Fremden- und Demokratiefeindlichkeit in Pößneck nicht toleriert werden, sagte Bürgermeister Michael Modde vor knapp 100 Besuchern der Ausstellungseröffnung am Freitagabend. Denn die Immobilie befindet sich trotz aller Bemühungen der Stadt immer noch in Besitz einer britischen Stiftung, hinter der sich der Hamburger Rechtsextremist Jürgen Rieger verbirgt. Die überregionale Aufmerksamkeit und die enorm hohe Beteiligung an dem Kunstprojekt habe gezeigt, dass Pößneck ein Ort der Vielfalt ist, der sich in "keine braune Ecke stellen lässt, so Modde.
 
Hobby- und Berufskünstler zwischen 8 und 68 Jahren aus Deutschland, Belgien, Österreich, der Schweiz und Niederlande haben ihre Entwürfe eingesandt. Manche sind symbolhaft wie ein Verbotsschild, andere dagegen malerisch, humoristisch, mitunter auch karikaturistisch. Einige Entwürfe sind derart bedeutungsschwer, dass "man länger hinschauen muss , erklärte die Leipziger Galeristin und Koordinatorin der Aktion, Sabine Aichele-Elsner. Dazu zählt auch ein Bild, das rasant auf den Text eines OTZ-Artikels vom 4. Mai 2005 zoomt, der über die Ohnmacht der Polizei bei der ersten und bislang einzigen Großveranstaltung von Rechten im Schützenhaus berichtet. Die schwarzen Buchstaben auf rotem Untergrund werden zu den Rändern hin immer unschärfer. Der Fokus zielt auf die Worte "Rechtsanwalt Jürgen Rieger , eine Zeile tiefer auf "über tausend Rechtsextreme . Darunter steht mit großen weißen Buchstaben die Aufforderung "Notbremse! Nie wieder solche Schlagzeilen. Der Künstler, dessen Name wie die der anderen Einsender für die Abstimmung anonymisiert wurde, will dem Betrachter vor Augen führen, welche gravierenden Auswirkungen die Nutzung des Gebäudes durch Rechtsextreme habe.
 
"Die eingesandten Entwürfe werden auch in einem Buch verewigt, das demnächst erscheint , sagte der Vorsitzende des Vereins Pößneck attraktiver, Rechtsanwalt Alf H. Borchardt. Der genaue Erscheinungstermin stehe noch nicht fest. Borchardt, der als Nachtragsliquidator für das deutsche Vermögen einer gelöschten Stiftung Riegers tätig war, bis ein Gericht der Beschwerde des Neonazis stattgab, rief die Bürger in zweierlei Hinsicht auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Mit einer hohen Beteiligung im Superwahljahr muss verhindert werden, dass radikale Gruppierungen in die Parlamente einziehen. Kommen Sie aber auch in diese Galerie und stimmen Sie über die acht besten Entwürfe ab , forderte Borchardt. Die Ausstellung ist wochentags von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr zu sehen.
 
Mit der vom Lokalen Aktionsplan für Vielfalt in Pößneck geförderten optischen Toleranzgrenze soll keineswegs vor dem Schützenhaus provoziert werden: "Wir wollen mit aufrechtem Gang unsere klare Haltung zeigen. Das ist heute in unserer Demokratie, die so anfällig ist, genauso wichtig wie zur politischen Wende vor 20 Jahren , sagte Kulturamtsleiterin Dr. Julia Dünkel. Einige Zeit nach der offiziellen Inbetriebnahme der optischen Toleranzgrenze sollen die Schilder mit den acht besten Bildern wieder entfernt und erst dann wieder aufgestellt werden, wenn größere Veranstaltungen Rechter im Schützenhaus angesagt sind, erklärte Dünkel. Die Entwürfe werden auch in einem Buch verewigt, das demnächst erscheint.
 
Alf H. Borchardt, Vorsitzender des Vereins Pößneck attraktiver
 

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