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Presseartikel vom 07.10.2008 aus der OTZ.
 
Aus dem Gerichtssaal Körperverletzung Nebensache
 
Pößneck (OTZ/mko). Die Neonazi-Großveranstaltung vom 2. April 2005 im Pößnecker Schützenhaus beschäftigt weiterhin die Justiz. So wurden gestern am Amtsgericht Pößneck ein 32-Jähriger aus Oberkaufungen und ein 30-Jähriger aus Göttingen der gefährlichen Körperverletzung angeklagt. Zu einer Verhandlung in der Sache kam es jedoch nicht. Die meiste Zeit des 40-minütigen Termines wurde dafür verwendet, einen neuen zu finden, an dem sowohl die Verteidiger der beiden schweigsamen Angeklagten als auch der Pößnecker Strafrichter für die Aufarbeitung der Straftat verfügbar sind.
 
Am späten Abend des 2. April haben die beiden Angeklagten offensichtlich einen weiteren Mann mit Fäusten geschlagen und Füßen getreten. Zuvor hatte dieser Mann aus Ärger, dass er des Schützenhauses verwiesen würde, mit der Faust eine Scheibe der Tür eingeschlagen. Nicht nur die beiden Angeklagten, mindestens drei weitere und bis heute nicht identifizierte Personen waren auf den Mann losgegangen. Das war jedenfalls wenige Tage später bei RTL in einer Reportage von Spiegel-TV zu sehen: Ein Kameramann hatte die Straftat geistesgegenwärtig dokumentiert.
 
Ein Mitschnitt der Sendung ist ebenso wie ein Video der Polizei Beweismaterial in diesem Prozess. Rechtsanwalt Klaus Kunze aus Uslar, Verteidiger eines der Angeklagten, habe aber noch keine Gelegenheit bekommen, dieses Material zu sichten bzw. "vollständige Akteneinsicht" zu nehmen, wie er beteuerte, so dass er gleich zu Beginn eine Aussetzung des Verfahrens beantragte. Richter Thilo Kurz hielt Kunze vor, dass er sich die Filme bislang nicht ansehen wollte. Schließlich habe ihm die Akte schon vor zwei Jahren an seinem "Heimatgericht" zur Verfügung gestanden. Dieses liege 30 Kilometer von seiner Kanzlei entfernt und damit sei ihm nicht geholfen, sagte Kunze. Er müsse sich die beiden Filme in Ruhe mit seinem Mandanten ansehen. "Sie haben keinen Anspruch darauf, die Videos bei sich zu Hause anzugucken", entgegnete Kurz. Kunzes Antrag gab er aber trotzdem statt und man einigte sich auch, dass das Gericht bei der Polizeidirektion Saalfeld Kopien der Filme in Auftrag gibt. Das könnte aber zwei Wochen dauern, hieß es. So begann die langwierige Suche nach einem passenden Fortsetzungstermin und erst mit dem achten Angebot im kommenden Januar konnten alle leben.
 
Kürzer war das Geplänkel um die Uhrzeit der nächsten Verhandlung. Mit 9 Uhr war Kunze nicht zufrieden und begründete, dass es einem Rechtsanwalt nicht zuzumuten sei, vor 6 Uhr aufzustehen. "Ich weiß zwar nicht, warum ich das jetzt mache, aber ich bin mal nett", sagte da der Richter und legte 10 Uhr fest. Kunze wird bei gut dreistündiger Anfahrt wohl trotzdem schon vor 6 Uhr aufstehen müssen.
 

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