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Presseartikel vom 09.05.2008 aus der OTZ.
 
Freude trotz aller Trauer
Stolpersteine-Künstler Gunter Demnig soll gestern nicht zum letzten Mal in Pößneck gewesen sein. Nach und nach soll allen Pößnecker Juden, die in der NS-Zeit ermordet, verfolgt oder in den Tod getrieben wurden, ein Stolperstein gesetzt werden.Drei Stolpersteine erinnern in der Breiten Straße an die Verfolgung der Pößnecker Juden
 
Von OTZ-Redakteur Marius Koity Pößneck.
 
In Pößneck wurden gestern die ersten drei Stolpersteine im Saale-Orla-Kreis verlegt. Es handelt sich um jene Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig seit 1995 in die Gehwege vor den letzten Wohnstätten jüdischer und anderer Opfer der Nationalsozialisten einlässt. Knapp 100 Menschen aus Pößneck und Umgebung wohnten der nur wenige Minuten dauernden Verlegung in der Ecke Straße des Friedens/Breite Straße bei, die der Höhepunkt der diesjährigen Gedenkaktionen zum 8. Mai, dem Tag der Befreiung, in Pößneck war.
 
Die Stolpersteine sind drei Mitgliedern der Familie Binder gewidmet, die in der Breiten Straße 2 wirkten und lebten. Die Mahnmale vor dem Wohn- und Geschäftshaus, das im Volksmund heute noch Kaufhaus Binder heißt, erinnern an: David Jakob Binder, 1938 nach Buchenwald verbracht und 1939 an den Folgen der KZ-Haft in Pößneck verstorben; an seine Frau Hedwig Binder geborene Ullmann, deren Spur sich nach der Deportation 1942 im Dunkel der nationalsozialistischen Juden-Vernichtung verliert; an die Tochter Esther Malke Binder, 1943 nach Auschwitz deportiert und dort im selben Jahr ermordet. Dem Sohn von Hedwig und David Binder, Adolf Milian Binder, soll zu einem späteren Zeitpunkt ein Stolperstein gewidmet werden, wenn mehr über sein Schicksal bekannt wird.
 
Stifter der ersten Pößnecker Stolpersteine sind Philipp Gliesing aus Jena und Jörg Reichmann aus Pößneck, Gabi und Hans Pensold aus Oppurg sowie Avraham Tavor aus Haifa (Israel). Angeschoben wurde das Projekt von Gliesing und Sebastian Klauder vom Aktionsbündnis Courage aus Pößneck. Die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Pößneck und die Stadt Pößneck gehören zur langen Reihe der Förderer.
 
Pößneck ist der 231. Ort auf der Deutschlandkarte der Stolpersteine. Etwa 13 000 solcher Betonwürfel mit einem Messingschild obendrauf hat Demnig im In- und Ausland verlegt. "Freude trotz aller Trauer" empfand der Künstler, dass sich auch in Pößneck Menschen gefunden haben, die auf diese Art und Weise an die Nazi-Opfer erinnern wollen. Tavor, Großneffe von Hedwig Binder, äußerte die Hoffnung, dass es nie wieder zu einem Terror wie jenem in der NS-Zeit komme.
 
Ein stiller Mahngang vom Ehrenhain Rudolf-Diesel-Straße in die Breite Straße hatte die Stolpersteine-Aktion eingeleitet. Ein Programm Langenorlaer Grundschüler, eine Ausstellung u. a. über die Familie Binder, Kostproben der jüdischen Küche und ein Konzert Pößnecker Musikschüler sorgten für Abwechslung. Und ein unüberhörbarer Gang der Erinnerung mit Trommlern der Gruppe Percussao Popular durch die Innenstadt zu einem Friedensgebet in die Stadtkirche schloss den Gedenktag ab.
 
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