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Presseartikel vom 07.03.2008 aus der OTZ.
 
Zwanzig Wochen deutsche Geschichte
Das Jahr 1933 auf dem Gebiet des heutigen Saale-Orla-Kreises (3. Teil)
 
Von Juergen K. Klimpke Schleiz. Der 5. März 1933 war ein nasskalter Tag. Fadenregen machte einen Aufenthalt im Freien nicht gerade zum Erlebnis. Trotzdem herrschte in den Wahllokalen reger Betrieb. "Man hatte das Gefühl, dass sich niemand von der Wahlpflicht ausnehmen wollte", bemerkte die "Schleizer Zeitung". Die Berichte vermitteln allgemein ein Gefühl, dass die gesamte Bevölkerung eine politische Entscheidung herbei sehnte, um wieder in Ruhe der täglichen Arbeit nachgehen zu können. Und so schrieb der "Neustädter Kreisbote" nach der Wahl: "Die Fronten sind klar geschieden - für oder wider die Nation. Jetzt gilt es zu arbeiten am Neubau des Reiches. Tue ein jeder nach seinen Kräften seine Pflicht und fasse Vertrauen zu den Männern, die die Geschicke unseres Volkes zu lenken berufen sind."
 
Im Vergleich der hiesigen Städte erzielten die großen Parteien ihre besten Ergebnisse wie folgt:
 
NSDAP - 78,4 Prozent in Tanna, SWR - 18,6 Prozent in Schleiz, SPD - 31,4 Prozent in Hirschberg, KPD - 22,9 Prozent in Ranis.
 
In Altengesees, Burkersdorf, Daumitsch, Dreba, Plothen, Kleina, Laskau, Ottmannsdorf, Posen, Pillingsdorf, Rauschengesees und Saalthal holten NSDAP und SWR (rechtskonservatives Wahlbündnis unter Führung der Deutschnationalen Volkspartei) gemeinsam alle abgegebenen gültigen Stimmen. Ihr bestes Einzelergebnis erreichte die Nationalsozialisten mit 89,7 Prozent in Plothen, ihr schlechtestes in Oberlemnitz mit 19,6 Prozent, wobei sich dort die anderen 80 Prozent mit Ausnahme einer Stimme der spätere Koalitionspartner SWR holte.
 
Bei der Betrachtung der Wahlergebnisse in den kleineren Orten zeigt sich aber auch, dass SPD und KPD in Peuschen 62,3 Prozent der abgegebenen Stimmen erhielten (KPD allein 36,6 Prozent). Ebenso gab es linke Stimmmehrheiten in Blankenberg, Harra, Kleindembach, Kolba, Langendembach, Rockendorf und Sparnberg. Bezogen auf die Landkreise erreichten NSDAP und SWR im Kreis Schleiz mit 74,8 Prozent ein weit über dem Landes- und Reichsdurchschnitt liegendes Ergebnis. Im Deutschen Reich übersprang die Koalition nur knapp die 50-Prozent-Marke.
 
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten erhielt durch diese unter Ausnahmezustand durchgeführten Wahlen nachträglich ihre demokratische Legitimation. Und speziell die hiesigen Stimmergebnisse zeigen, dass die spätere Regierung Hitler/Papen anfangs durch ein deutliches Wählervotum untersetzt war. Das fast letzte freie Votum für die nächsten 12 Jahre.
 
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