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Presseartikel vom 29.02.2008 von OTZ.
 
In Pößneck werden Stolpersteine verlegt
Ab 8. Mai werden im Gehsteig vor der Breiten Straße 2 in Pößneck drei Mahnmale an die einst hier lebende jüdische Familie Binder erinnern
 
Von OTZ-Redakteur Marius Koity Pößneck.
 
Pößneck kommt als erster Ort im Saale-Orla-Kreis auf die Karte der Stolpersteine. Es handelt sich um jene Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig seit über zehn Jahren bundesweit und mittlerweile auch im europäischen Ausland verlegt, um konkret an jüdische und andere Opfer der NS-Zeit zu erinnern. Dabei werden Betonwürfel mit zehn Zentimetern Kantenlänge und einer Messingplatte obendrauf in den Gehsteigen vor den Häusern verlegt, in denen diese Opfer gelebt haben, bevor sie ins Konzentrationslager deportiert, gleich ermordet oder in den Freitod getrieben wurden.
 
Die ersten drei Pößnecker Stolpersteine werden am 8. Mai vor dem Wohn- und Geschäftshaus Breite Straße 2 in den Fußweg eingelassen. In dem markanten Eckhaus hat einst mit den Binders die wohl bekannteste jüdische Familie der Stadt gelebt und gewirkt ("Kaufhaus Binder"). Die Gedenk- und Mahnmale werden die Namen und einige Lebensdaten von David Binder, Esther Binder und Hedwig Binder tragen.
 
Darüber informierten Philipp Gliesing und Sebastian Klauder vom Aktionsbündnis Courage Pößneck in einer Informationsveranstaltung zum Thema. Das Aktionsbündis bereitet das lokale Stolpersteine-Projekt seit einem Jahr vor, will es aber nicht allein durchziehen, weil es notwendig sei, dass "die Mehrheit in Pößneck dahintersteht" (Gliesing), wenn die Stolpersteine ihre Wirkung entfalten sollen. "Es ist wichtig, allen Bürgern klarzumachen, dass all die Verschleppten und Verschwundenen Nachbarn waren, Mitmenschen, die plötzlich nicht mehr da waren", so ein Konzept. Zu diesem soll sich auch der Stadtrat positionieren, dem es am 17. April vorgestellt wird. Mit Manfred Brückner (CDU) und Fritz Kleine (PDS) saßen zwei Stadtratsfraktionsvorsitzende in der Runde, die im evangelische Gemeindezentrum in Pößneck zusammenkam, und beide begrüßten das Vorhaben.
 
Die Stolpersteine sollen über Patenschaften finanziert werden. Kosten pro Stück: 95 Euro. Wünschenswert sei es, wenn konkrete Personen und nicht Firmen diese Patenschaften übernehmen würden, so Gliesing, der Interessenten unter info@abc-poessneck.de oder Tel. 0162/8150845 näher informiert.
 
Zur Verlegung der ersten Pößnecker Stolpersteine soll der Binder-Nachfahre Avraham Tavor aus dem israelischen Haifa begrüßt werden, dem auch zwei Drittel des Binderschen Hauses gehören. Gunter Demnig wird nicht nur die drei Quader setzen, sondern im Erdgeschoss der Breiten Straße 2 auch einen Vortrag über die Geschichte der Stolpersteine anbieten. Ebendort soll eine Ausstellung über den Nationalsozialismus in Pößneck und die Folgen für die jüdischen Einheimischen zu sehen sein.
 
Nach und nach sollen vor den letzten Wohnstätten sämtlicher 16 jüdischen Familien, die 1933 in Pößneck lebten, Stolpersteine installiert werden. Mit Gerda Abraham, die zuletzt in Jena lebte, wurde bereits einer Pößnecker Jüdin eine solche Erinnerung gewidmet: Sie ist seit 23. Mai 2007 vor der Friedrich-Engels-Straße 52 in der Saalestadt zu finden.
 
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