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"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist."
Gunter Demnig
Das ABC-Projekt
 
Das Aktionsbündnis Courage hat sich 2008 mit diesem Projekt wahrlich kein erfreuliches Thema ausgesucht, aber ein äußert wichtiges und signifikantes für unsere gesamte Gesellschaft. Das Thema behandelt die Isolation und Vertreibung von Menschen, die zu "Sündenböcken" und Feindbildern gemacht worden sind. Es erzählt von seelischer und körperlicher Erniedrigung, von alltäglichem Terror und dem Tod in den Vernichtungslagern. Dies alles geschah in diesem Land, vor nicht all zu langer Zeit und ist heute noch brandaktuell. Durch die Ideen der "Nationalsozialisten" kam es zur Katastrophe, zur Shoah.
 
Wer sich mit der Geschichte einer Familie, eines einzelnen Menschen befasst, wird merken wie nah diese Zeit uns heute noch ist. In weiten Teilen der deutschen Gesellschaft fand eine Aufarbeitung der individuellen und kollektiven Mitverantwortlichkeit im NS-Staat lange nicht statt, sie wurde verdrängt oder sogar bewusst abgelehnt. Dabei ist die Lehre aus dieser Zeit ein absoluter Zukunftsgarant - nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus.
 
Deshalb ist es uns enorm wichtig in einen Dialog der Generationen zu treten und alle Menschen anzuregen, sich der Geschichte der Nazi-Diktatur vor der eigenen Haustür bewusst zu werden. Diffamierung von Minderheiten, Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind nicht ausgestorben. Es gibt Organisationen, die unmittelbar an das "Dritte Reich" anknüpfen und der sogenannte "Rechtsextremismus" ist sogar in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
 
Die Steine
 
Die Verlegung von Stolpersteinen bringt die unterschiedlichsten Persönlichkeiten von heute zusammen und ermöglicht den Teilnehmern eine Verinnerlichung der tatsächlichen, lokalen Vorgänge. Die Gedenksteine bieten sich für historische Stadtrundgänge an und können als Gedenkorte aufgesucht werden. Zur verständlichen und anschaulichen Beschäftigung mit dem Thema können sie auch für den Geschichtsunterricht in den Schulen genutzt werden.
 
In jedem Stolperstein sind Name, Geburtsjahr, Angaben zum Schicksal sowie Todesdatum von einem Opfer des deutschen Faschismus eingearbeitet. Verwandte Personen liegen direkt nebeneinander. Finanziert werden die Steine durch Patenschaften, das heißt jeder Mensch von damals ist mit einem Menschen von heute verbunden und die Paten beschäftigen sich intensiv mit der Person.
 
Auch in der Stadt Pößneck gab es eine Reihe von jüdischen Bürgern. Um die Jahrhundertwende lebten etwa 50 jüdische Bürger in Pößneck. Vor allem im Einzelhandel und dem Textilgewerbe (Färber, Felle, etc.) sowie vereinzelt im Verlagswesen und der Steuerberatung hatten sie sich eine wirtschaftliche Existenzgrundlage geschaffen. Arme und reiche, kleine und große Leute - normale Menschen eben. Es existierte sogar eine kleine Jüdische Gemeinde, die durch die antisemitische Politik zu Grunde ging.
 
Diese Lebenswege, die nur durch den "Rassenhass" der Nazis abgetrennt worden sind, wollen wir in der Geschichtswerkstatt recherchieren. Mit dem gesammelten Material sollen dann weitere Stolpersteine verlegt werden und kleinere Projekte mit Schülern, etc. angebunden werden.
 
Partner im Arbeitskreis Stolpersteine
 
Der Künstler Gunter Demnig entwickelte das Projekt auf Anregung eines Kölner Mitbürgers und ist mittlerweile in ganz Europa unterwegs, um die Erinnerung an die Opfer der Verfolgung und Ermordung wach zu halten. indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. "Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig.
 
In Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen kommt es zu den Gedenkaktionen. Gerade hier ist es wichtig, dass die Kommune hinter dem Anliegen des Projektes steht. In Pößneck ist diese Netzwerkarbeit möglich, da Strukturen und Ressourcen gewachsen sind.
 
Unser Ziel
 
Es ist wichtig, unseren Mitbürgern klarzumachen, dass all die Verschleppten und Verschwundenen Nachbarn waren, Mitmenschen die plötzlich nicht mehr da waren. Bis 1933 war das Zusammenleben gut, dann war die Nachbarwohnung leer und niemand sollte etwas bemerkt haben. Wir verfolgen das Ziel Jugendliche schon frühzeitig zu animieren, sich mit der Zeitgeschichte zu befassen, um so einer politisch rechtsextrem gerichteten Meinungsbildung präventiv zu begegnen. Die generationsübergreifende Zusammenführung von jüngeren und älteren Menschen ist dafür unabdinglich.
 
Familie Binder - Verlegung am 8. Mai 2008
 
Eine sehr beeindruckende und zugleich traurige Geschichte ist die der Familie Binder. Im Vergleich mit anderen jüdischen Familien haben wir zu David, Hedwig, Esther und Adolf Binder die meisten Daten recherchiert. Vor dem Wohn- und Geschäftshaus in der Breiten Straße 2 verlegte der Arbeitskreis Stolpersteine deshalb am Tag der Befreiung die ersten vier Stolpersteine.
 
Gunter Demnig kam direkt aus Saalfeld und anderen Thüringer Städten, wo er in diesen Mai Wochen Steine verlegte, und hielt später im Pogramm einen Dia-Vortrag über seine künstlerisches Wirken.
 
Eine Bereicherung waren auch zwei kleine Projekte des Bildungswerk Blitz e.V., die in Zusammenarbeit mit dem ABC entstanden sind. Eine Schülerin aus Ranis fotografierte Orte und Plätze, die ihr als historische Aufnahmen aus den 30er und 40er Jahren vorlagen. Dieser Bildvergleich wurde ausgestellt. SchülerInnen einer Grundschulklasse aus Langenorla führten zu dem eine szenische Lesung mit den Bürgermeistern von Pößneck und Langenorla durch.
 
Auch die Zusammenarbeit mit der Blascompany "Letz's Fetz" (Musikschule Pößneck) und der Samba-Gruppe Popular Escola (Evangelische Jugendarbeit) war eine Bereicherung und sorgte für abwechslungsreiche Unterhaltung.
 
An diesem 8. Mai boten sich zwei weitere Kooperationen an. Von der "Kranzniederlegung" im Ehrenhain, wo den gefallenen Alliierten gedacht wurde, zog ein Mahngang zur Stolperstein-Verlegung; organisiert wurde diese Aktion von der Linksjugend [solid] und der Partei LINKE. Außerdem führte die Evangelische Kirche eine landesweiten Aktionstag gegen Rechtsextremismus (Nächstenliebe braucht Klarheit) durch und lud nach der Stolperstein-Verlegung zum Friedensgebet ein.
 
Über Familie Binder konnten sich die rund 100 Gäste in einer kleinen Ausstellung informieren, was so große Resonanz fand, dass sie noch eine Woche gezeigt werden "musste". Es ist nun eine überarbeitete und erweiterte Fassung in Arbeit, die zur nächsten Verlegungsaktion (2009) eröffnet werden soll und dann auch für Schulen, etc. zur Verfügung gestellt wird.
 
Eine umfassende Dokumentation der damaligen Zeit, des "nationalsozialistischen Stadtlebens" ist das langfristige Ziel der Geschichtswerkstatt.