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Staatliches Gymnasium "Am Weißen Turm", Pößneck
Abiturjahrgang 2008
 
S e m i n a r f a c h a r b e i t
Das Kriegsende im Raum Pößneck und die damit verbundenen gesellschaftlichen Entwicklungen im Jahre 1945
vorgelegt von:
 
  Wenke Greiling
Sebastian Kimmer
Stefan Oechsner
Felix Schmidt
Kurs: D2
Kurs: D1
Kurs: M2
Kurs: D1
 
 
Vorwort
 
Im Rahmen unserer Seminarfacharbeit untersuchten wir die Kriegs- und Nachkriegsgeschehnisse in und um Pößneck im Jahre 1945.
 
Aufgrund der mangelhaften Quellenlage mussten wir bei unserer Spurensuche vor allem auf Zeitzeugen zurückgreifen, um an regionale Informationen aus diesem Zeitraum zu gelangen. Der große zeitliche Abstand zu diesen Erlebnissen und die eigene Betroffenheit der Zeugen lassen deshalb auf einen gewissen subjektiven Faktor bei den Erkundigungen schließen.
Für die bereitwilligen Auskünfte über das damalige politische Geschehen und für die Schilderungen ganz persönlicher Eindrücke, einschließlich der eigenen familiären Situationen, bedanken wir uns bei Frau Marianne Luba, Herrn Horst Kutschki sowie einem weiteren Zeitzeugen, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, ganz herzlich.
In diesem Zusammenhang gilt unser besonderer Dank auch unserer Fachbetreuerin Frau Kehr, vor allem für die Hilfestellung bei der Vorbereitung der Zeitzeugeninterviews.
Unser Dank für die Unterstützung unserer Recherchen gilt weiterhin Herrn Enkelmann, für ergänzende Informationen, Frau Ziermann, welche uns Zutritt zum Stadtarchiv gewährte und Herrn Peterlein, der uns mit Bildmaterial aus dem Jahr 1945 weiterhelfen konnte. Des Weiteren möchten wir uns für die Bereitstellung von Kartenmaterial beim Katasteramt Pößneck bedanken.
Ferner gilt unser Dank unserer Seminarfachlehrerin Frau Landgraf für die konstruktive Anleitung und Beratung bei der Erstellung der Arbeit.
 
Pößneck, 18. Oktober 2007
 
Wenke Greiling Sebastian Kimmer Stefan Oechsner Felix Schmidt  

Inhalt
1. Einleitung
2. Vorbetrachtungen
2.1 Die politische, wirtschaftliche und militärische Situation in Pößneck zur Zeit des Nationalsozialismus
2.2 Bedeutende Entscheidungen auf Konferenzebene über die Zukunft Deutschlands
2.2.1 Die Konferenz von Teheran
2.2.2 Die Konferenz von Jalta
2.2.3 Die Potsdamer Konferenz
3. Die letzten Kriegstage im Raum Pößneck
3.1 Kampfhandlungen und Bombardierungen
3.2 Die Lage der Bevölkerung in den letzten Kriegstagen
3.3 Die Übergabe der Stadt Pößneck
4. Pößneck und Umgebung unter amerikanischer Besatzung
4.1 Übernahme sowie Um - und Wiederaufbau der Verwaltung
4.2 Eindrücke der Bevölkerung
4.3 Die wirtschaftliche Entwicklung unter amerikanischer Besatzung
4.4 Flüchtlinge und Vertriebene (Displaced Persons)
5. Der Besatzungswechsel in Pößneck
6. Pößneck und Umgebung unter sowjetischer Besatzung
6.1 Die sowjetische Verwaltung
6.2 Eindrücke der Bevölkerung
6.3 Die wirtschaftliche Situation unter sowjetischer Besatzung
6.4 Demontagen, Entnazifizierung und Enteignungen
7. Zusammenfassung
  Anhang

1. Einleitung
Über 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs rücken die Ereignisse dieser Zeit für unsere Generation in immer weitere Ferne. So fällt es schwer, sich vorzustellen, dass auch unsere Heimatstadt Pößneck von den Schrecken des Krieges, insbesondere während der letzten Kriegstage, betroffen war. Diese Geschehnisse auf regionaler Ebene finden auch nur begrenzt Erwähnung im Geschichtsunterricht, so dass kaum Rückschlüsse auf die Lebensumstände der einheimischen Bevölkerung zu ziehen sind. Außerdem liegen für diese Zeit aus unserer Region nur wenige geschichtswissenschaftliche Abhandlungen vor, die zur Einordnung in übergeordnete geschichtliche Zusammenhänge genutzt werden könnten. Deshalb bildete die Auswertung privater Quellen, lokalen Archivmaterials und Augenzeugenschilderungen die Basis für unsere Recherche. Uns ist bewusst, dass der Aussagewert der so erhaltenen Informationen deswegen subjektiv gefärbt sein kann, ebenso ist für uns kaum nachzuweisen, inwieweit die Fakten chronologisch korrekt bzw. vollständig sind. Aus Schülersicht ist diese Gratwanderung zwischen emotionalen Erlebnisberichten der Kriegsgeneration und der objektiven historischen Wahrheit nur schwer zu meistern.
 
Deshalb kann es nur das Ziel unserer Arbeit sein, einen Beitrag zur regionalen Aufarbeitung der Kriegs- und Nachkriegszeit in und um Pößneck zu leisten. Das Aufzeigen der politischen Umstände jener Zeit sowie bestimmter Lebenssituationen der Bürger Pößnecks soll einen Schwerpunkt unserer Arbeit bilden. Des Weiteren war es für uns interessant nachzuforschen, wie sich die zentralen Beschlüsse der Weltpolitik auch in Pößneck widerspiegelten. Erkenntnisfördernd war auch die Tatsache, wie man als Schüler mit ideologisch oft einseitigen Betrachtungen umzugehen hat, um diese relativ werteneutral für die eigene Darstellung zu nutzen.
 
Da unser Quellenmaterial oftmals auch Informationen über die umliegenden Ortschaften enthielt und das zeitgeschichtliche Geschehen nicht ausschließlich auf die Stadt Pößneck konzentriert war, erweiterten wir unseren Betrachtungsraum für diese Arbeit. Für uns war es weiterhin lohnenswert, nicht nur zu recherchieren, wie sich das Kriegsgeschehen in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges in Pößneck abspielte, sondern auch, wie das Leben nach dem Kriegsende organisiert wurde. Wir wählten deshalb einen Untersuchungszeitraum von April bis Jahresende 1945.
 
Uns ist auch bewusst, dass wir in unserer Arbeit bestimmte Aspekte, die für die Darstellung der Kriegs- und Nachkriegssituation ebenfalls von Wichtigkeit wären, z.B. die Rolle der Zwangsarbeiter, Formen des Widerstandes und die Lage der jüdischen Bevölkerung, wegen der Begrenzung des Umfangs der Seminarfacharbeit nicht berücksichtigen konnten.
 
2. Vorbetrachtungen
2.1 Die politische, wirtschaftliche und militärische Situation in Pößneck zur Zeit des Nationalsozialismus
Nach der Novemberrevolution 1918 mussten auch die thüringischen Herrscher abtreten. Somit konnte, zumindest in Teilen, 1920 aus dem territorial zersplitterten Thüringen ein Staat mit der Hauptstadt Weimar geformt werden.
 
Für die Nationalsozialisten war Thüringen schon früh bedeutend, da 1930 die NSDAP hier zum ersten Mal in der sogenannten "Baum-Frick" Regierung an den Regierungsgeschäften beteiligt war, 1932 das Land dann selbst regierte.
 
Auch in Pößneck besaß die NSDAP bereits vor 1933 Bedeutung, wenn auch keine bestimmende. Deutlich wird dies daran, dass bereits 1922 eine Ortsgruppe existierte und 1927 gar der spätere Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, eine Rede in Pößneck hielt.
 
Seit 1934 war Hans Duphorn Pößnecker Bürgermeister (vgl. M 1). Duphorn war Mitglied der NSDAP, hoher SA-Angehöriger und Fliegerveteran aus dem Ersten Weltkrieg. Aufgrund seiner politischen Ansichten versuchte er aus Pößneck eine Art nationalsozialistische Musterstadt zu machen. So gab es häufig Aufmärsche von NS-Organisationen; hohe NSDAP-Funktionäre wie der Gauleiter Fritz Sauckel besuchten die Stadt und um den Galgenberg wurde eine SA-Siedlung mit dem Heim der Hitlerjugend angelegt, welches als Musterheim galt. Dieses Heim wurde von Jugendführer Baldur von Schirach und Adolf Hitler in Berlin an einem Modell vorgestellt (vgl. M 2, M 3).
 
Da Duphorn wieder im Krieg eingesetzt werden wollte, meldete er sich zur Luftwaffe, kam aber 1941 beim Flugtraining in Italien durch einen Unfall ums Leben. Sein Nachfolger wurde der erste Beigeordnete Karl Freeß, der jedoch nur die Geschäfte des Bürgermeisters wahrnahm, formal aber erster Beigeordneter blieb (vgl. M 4).
 
Kriegswirtschaftlich gesehen war Pößneck relativ unbedeutend, da es zu Kriegsbeginn nur Konsumgüterindustrie beherbergte. Somit war es auch nicht durch Fliegerangriffe gefährdet und besaß demnach auch keine Luftabwehrgeschütze; die nächste Flak stand an der Hohenwarte-Talsperre. Aus diesem Grund wurden auch für den Luftschutz nicht die Maßnahmen, wie beispielsweise in den Städten des Rheinlandes, getroffen. Als Luftschutzräume wurden hauptsächlich Keller von Wohnhäusern genutzt. Diese erhielten einen Notausgang, welcher durch eine Metalltür gesichert und mit weißen Markierungen versehen wurde, um eine schnelle Rettung im Notfall zu gewährleisten. Es gab aber auch größere Luftschutzräume, wie unter dem Schützenhaus, der Molkerei oder in den vielen Felsenkellern der Stadt, z.B. in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße. Sogar alte Bergwerkstollen wurden für den Luftschutz verwendet. Für Verletzte gab es Luftschutzrettungsräume, die mit Krankenbetten ausgestattet waren. Einer davon befand sich im Keller der Seigischen Schönfärberei, dem Gebäude gegenüber dem Stadtbad (vgl. M 6). Zum Schutz vor Splittern wurden zwei Splittergräben entlang des unteren und oberen Grabens angelegt. Dies waren Betongänge, welche Nischen besaßen, in die man bei Gefahr flüchten konnte (vgl. M 7).
 
Aufgrund der geringen Bedrohungslage der Stadt wurden im Laufe des Krieges Betriebe und Menschen aus den gefährdeten Gebieten des Deutschen Reiches nach Pößneck evakuiert. Dadurch kam es zur Verknappung des Wohnraumes, zudem mussten ansässige Firmen, zumindest teilweise, ihre Gebäude räumen, da die evakuierten Firmen kriegswichtige Güter produzierten, z.B. die Maihak aus Hamburg, welche Messinstrumente herstellte. Diese wurde im Gebäude von Siegel & Schütze untergebracht.
 
Durch die Kriegswende musste die deutsche Wehrmacht seit 1943 immer weiter zurückweichen, was dazu führte, dass die Front immer näher an Thüringen und somit Pößneck heranrückte. Dadurch war die Region nun potentielles Kampfgebiet und auch Pößneck wurde zum Ziel der gegnerischen Luftstreitkräfte. Dies hing auch damit zusammen, dass durch die fortschreitende Besetzung Deutschlands die wichtigsten Gebiete als Ziele nach und nach wegfielen und nun auch unwichtigere Ziele bombardiert wurden, die bislang nebensächlich waren.
 
2.2 Bedeutende Entscheidungen auf Konferenzebene über die Zukunft Deutschlands
2.2.1 Die Konferenz von Teheran
Als erste Konferenz der drei Großmächte, Großbritannien, Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika, gilt die Konferenz von Teheran. Sie fand während des Zweiten Weltkrieges vom 28. November bis zum 1. Dezember des Jahres 1943 in der iranischen Hauptstadt statt. Die Beteiligten waren der US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der sowjetische Staatschef Josef Stalin und der britische Premierminister Winston Churchill. Diese drei Staatschefs hatten für die Konferenz als Hauptthema die Vorgehensweise für das Kriegsjahr 1944 sowie die Zukunft des geschlagenen Deutschlands nach dem Krieg vorgesehen.
 
Zu Beginn der Konferenz wurden Kriegstrategien gegen Nazideutschland diskutiert. So war es Stalin, der ausführte, dass Russland die Möglichkeit einer Offensive gegen Japan im Pazifikkrieg ausnutzen möchte, da es für die Alliierten wichtig wäre, dort Erfolge zu feiern. Des Weiteren sollte Deutschland durch eine Operation in Nordwestfrankreich weiter geschwächt und unter Druck gesetzt werden. Die anderen Konferenzteilnehmer begrüßten die Überlegungen Stalins und die Pläne für eine solche Operation nahmen Gestalt an. Die Operationen "Overlord" und "Anvil" stellten sich die Alliierten als eine Gesamtinvasion gegen Deutschland vor, um dieses aus den französischen Gebieten zurückzudrängen.
 
Unterschiedliche Auffassungen der Beteiligten gab es im Bezug auf die Zukunft Nachkriegsdeutschlands. Hier war es Churchill, der eine Zweiteilung Deutschlands in Nord und Süd anstrebte. Roosevelt dagegen favorisierte eine Aufspaltung Deutschlands in fünf Einzelstaaten, um die Macht Deutschlands massiv zu schwächen und Stalin äußerte keine konkreten Vorstellungen.
 
2.2.2 Die Konferenz von Jalta
Die zweite wichtige Konferenz der Alliierten stellte die Jalta - Konferenz dar. Vom 4. bis zum 11. Februar 1945 trafen sich erneut die Staatsmänner der USA, Großbritanniens und der Sowjetunion auf Einladung von Josef Stalin auf der Halbinsel Krim. Sie formulierten hierbei erste Aspekte zur Neuordnung Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach den Beschlüssen von London vom November 1944, die eine Teilung Deutschlands in drei Besatzungszonen vorsahen, wurde hier erneut über die Besetzung und Aufteilung Deutschlands sowie über andere wichtige Nachkriegsfragen, wie die Festsetzung der polnischen Ostgrenze, diskutiert. Fest beschlossen wurde die vollständige Entmilitarisierung Deutschlands nach dem Krieg und die Beseitigung des Nationalsozialismus. Des Weiteren wurde auch eine Beteiligung Frankreichs als Besatzungsmacht beschlossen. Die Länder Großbritannien, UdSSR, Frankreich und USA sollten demnach für je einen Teil des besiegten Deutschlands in überwachender Funktion verantwortlich sein. So sollte Thüringen nach Kriegsende von der Sowjetunion verwaltet werden. Weiterhin wurde festgelegt, dass das besiegte Deutschland an die Alliierten Reparationen zu zahlen hat. Bei der Frage um die Eroberung Berlins einigten sich Roosevelt und Churchill darauf, dass die Rote Armee diese Aufgabe übernehmen solle.
 
2.2.3 Die Potsdamer Konferenz
Vom 17. Juli bis zum 2. August trafen sich erneut die Alliiertenmächte zur letzten großen Konferenz, um die Entwicklung Deutschlands nach Ende des Krieges im Potsdamer Schloss Cecilienhof zu besprechen. Die Staatsmänner Stalin, Harry S. Truman, neuer Präsident der USA, und Churchill, beziehungsweise dessen Nachfolger Clement Attlee, für Großbritannien, setzten bei den Gesprächen die Leitwörter Denazifizierung, Demilitarisierung, Demokratisierung und Demontage fest. Als bedeutendstes Ergebnis stand zu Ende das Potsdamer Abkommen, ein Protokoll, welches die wichtigsten Beschlüsse festhielt. Inhaltlich wurde vor allem über die Zukunft des besiegten Deutschlands beraten. So wurde die Aufteilung in die vier Besatzungszonen konkretisiert und jeder Besatzungsmacht frei gestellt zu entscheiden, wie viel Reparationszahlungen vom dem jeweiligen Gebiet zu leisten sind (vgl. M 8). Grund für diese Entscheidung war, dass die Entschädigungsvorstellung der Westmächte mit Stalins Ideen nicht zu vereinbaren waren. Da Thüringen Teil der SBZ war, sollte dieser Reparationsrigorismus der Besatzer weitreichende Folgen für die gegensätzliche wirtschaftliche, aber auch politische Entwicklung Thüringens zu den westlichen Bundesländern nach sich ziehen.
 
3. Die letzten Kriegstage im Raum Pößneck
3.1 Kampfhandlungen und Bombardierungen
Nach den Niederlagen der Deutschen Wehrmacht an allen Fronten drangen die Armeen der Alliierten immer weiter in das Reichsgebiet ein und überschritten am 1. April 1945 die Werra und erreichten somit Thüringen. Die Hauptlast des Angriffs trug dabei die Third US-Army unter den Befehl von General George S. Patton, welche bis zum 8. April die Linie Meiningen-Gotha-Langensalza-Mühlhausen erreichte und dort stoppte, um auf die First US-Army auf der linken Flanke zu warten. Währenddessen kam es am 3. April in Pößneck zur Auslösung des Großalarms, da die Amerikaner vor Meiningen und Eisenach standen und Pößneck somit frontnahe Stadt wurde. Bereits am 2. April hatte man begonnen, die Geheimakten zu verbrennen.
 
Am 8. April begannen die schlimmsten Bombardierungen auf das Pößnecker Stadtgebiet. Gegen 9.30 Uhr scherten sechs Flugzeuge von einem größeren Luftangriff zurückkehrenden Geschwader aus, als sie von einem Tiger-Panzer, der bei Wölfel & Sohn gestanden haben soll, beschossen wurden. Daraufhin erfolgte ein schwerer Bombenabwurf mit Sprengbomben auf den Ostteil der Hohen Straße in der Nähe des Krankenhauses. Dabei kam es zu erheblichen Verwüstungen. Es wurden mehrere Häuser zerstört, fast alle bis hin zur Orlamünder Straße wiesen Beschädigungen an Fenstern und Dächern auf (vgl. M 9, Legende zu M 9, M 10).
 
Sofort nach dem ersten Abwurf drehten die Flugzeuge wieder in Richtung Stadt und warfen erneut Sprengbomben ab. Dieser zweite Angriff war der schlimmere und ging auf mehrere Fabrikgebäude nieder: die Wirkwarenfabrik Grimm & Co (vgl. M 11), die Tuchfabriken Horn & Co (vgl. M 12) sowie C.G.Wölfel & Sohn, also den Standort des Tigerpanzers, die Färberei Charpentier und die Möbelfabrik Hermann Telz.
 
Den Brand bei Horn verursachte eine Sprengbombe, die direkt in das Wolllager fiel. In den beiden Gebäuden waren auch Waren eingelagert, die man aus bedrohten Teilen des Reiches nach Pößneck evakuiert hatte. Bei Horn verbrannten Wäsche und Kleidungsstücke aus Litzmannstadt (polnisch: Lodz) im Wert von 1,5 Millionen RM, im großen Lager von Grimm wurden durch das einstürzende dreistöckige Gebäude mehrere Waren von rheinischen Firmen und Privatpersonen zerstört.
 
Durch den Telzschen Brand begann auch das Wolllager von Wölfel & Sohn zu brennen, wobei auch hier in Sicherheit gebrachte Dinge, diesmal meist aus dem Warthegau stammende reine Wolle im Wert von 1 Million RM, vernichtet wurde. Weiterhin wurde das Kesselhaus und somit die Kraftanlagen von Wölfel & Sohn durch die Bomben zerstört. Neben den Fabrikgebäuden gingen auch in der Hindenburg- und Neustädter Straße Bomben nieder, welche große Schäden verursachten (vgl. M 13). Hier sind beispielsweise das Modewarengeschäft Victor Wegel, dessen Dachstuhl ausbrannte und das Gresmansche Gebäude, welches infolge eines Volltreffers zusammenstürzte, zu nennen. Mehrere Häuser wurden aufgrund von Brandgefahr und Erschütterungen geräumt. Bis hin zum unteren Bahnhof wurde vieles zerstört, vor allem durch den Druck der Detonationen. Auch der Ortsteil Jüdewein wurde schwer getroffen, fast zwanzig Lehmhäuser stürzten ein oder wurden unbewohnbar. Die dort niedergegangene Bombe sollte wahrscheinlich den unteren Bahnhof treffen. Sofort nach den Abwürfen wurde mit Aufräumarbeiten begonnen, welche vom Neustädter Volkssturm unterstützt wurden. Schutz suchte die Bevölkerung meist in den Kellern der Molkerei, der Bernhardstraße oder der Schokoladenfabrik (vgl. M 9). Die Entwarnung kam gegen 21 Uhr.
 
Der 9. April 1945 war der schlimmste Tag der Pößnecker Kriegsgeschichte. Wie aus Zeitzeugenberichten zu erfahren war, wurde bereits gegen 7.45 Vollalarm gegeben und die gesamte Bürgerschaft suchte Unterschlupf in den Schutzräumen. Während es morgens und vormittags noch diesig war, verzog sich der Nebel gegen Mittag und verdeckte die Stadt nicht mehr. Den gesamten Angriff hindurch wurde Pößneck anscheinend von immer den gleichen Bombern angegriffen, welche abwechselnd zu zweit oder zu viert halbstündlich wiederkehrten. Kurz nach Mittag begann der erste Angriff, wobei wieder die Hindenburgstraße schwer getroffen wurde. Während am Vortag die alte Fabrikanlage bei Horn & Co getroffen wurde, zerstörte man nun die neue Fabrikanlage nahezu vollständig. Der nächste Angriff traf den Viehmarkt (vgl. M 9) und richtete dort große Schäden, z.B. bei Diesel & Weise, an. Der folgende Angriff sollte das Heim der Hitlerjugend am Galgenberg (vgl. M 9) treffen. Die Amerikaner hielten es aufgrund seiner Architektur und den dort übenden Hitlerjungen fälschlicherweise für eine Kaserne. Großer Schaden entstand dabei in der SA-Siedlung, welche sich in der direkten Umgebung des HJ-Heimes befand (vgl. M 16, M 17, M 18). Von nahezu 50 Gebäuden blieben gerade zwei unversehrt und zwei andere wurden leicht beschädigt. Während der Bombardierung starb eine Frau in der SA-Siedlung. Etwa eine Stunde nach diesem Angriff griffen die vier Bomber wieder an und trafen nun die Georgstraße mit dem Villenviertel und den oberen Bahnhof (vgl. M 9). Bei diesem Angriff wurde ein Großteil der bis zur Rosenbrauerei stehenden Villen getroffen (vgl. M 19) und das Heimatmuseum (Goethe Loge) wurde vollständig zerstört (vgl. M 20). Gegen 18:30 folgte ein erneuter Angriff der Bomber und versuchte wahrscheinlich die damals größten Mitteldeutschen Tuchfabriken, Bernhard Siegel & Schütze sowie Fischer & Seige, zu treffen, wobei aber die vordere Gerberstraße (Hotel "Deutsches Haus") und die Breite Straße (Wenzelsche Metzgerei) getroffen wurden (vgl. M 9). Dabei ereignete sich laut Zeitzeugen eine besonders schlimme Szene, denn als die Tochter des Metzgers aus den Haus ging, traf eine Bombe das Schlachthaus und der entstehende Luftdruck schleuderte sie mitsamt der Tür aus dem Haus. An anderer Stelle starb eine ältere Frau durch die Wirkung des Luftdrucks, welcher ihre Lunge zerriss.
 
Dieser Angriff war der schlimmste für Pößneck. Ein Augenzeuge berichtete, dass das gesamte Gebiet nur noch eine Wüstenei gewesen sei. Zwar blieben die Häuser in der Breiten Straße stehen, doch verloren alle bis zum Kino ihre Dächer und Fensterscheiben.
 
Noch schlimmer wurde die Gerberstraße getroffen, in welcher fast 20 große Wohnhäuser einstürzten und es viele Todesopfer gab. Auch schwere Schäden erlitten die Häuser und die Gegend entlang der Hindenburgstraße. Beidseits der Kotschau soll gar nichts mehr gestanden haben. Der große Berghang vom Krankhaus wurde getroffen, wobei auch viele Villen schwer beschädigt wurden. Der Vollalarm dauerte bis 21 Uhr. Als Folge der Bombardierung fiel die Strom-, Wasser- und Gasversorgung Pößnecks aus.
 
Insgesamt war nach dem 8. und 9. April ungefähr ein Drittel Pößnecks den Bombardierungen zum Opfer gefallen.
 
Am 10. April war es morgens wieder nebelig. Aufgrund des Alarms standen alle Betriebe in Pößneck still. Auch auf die Felder traute sich aufgrund der drohenden Tiefliegerangriffe niemand. Gegen 10 Uhr passierte ein Zug von rund 5000 jüdischen Häftlingen aus dem Konzentrationslager Buchenwald, Richtung Ziegenrück, die Stadt. Zwar versuchten einige Bürger diesen zu helfen, doch wurden sie von den Wachmannschaften und überzeugten Anhängern des Regimes daran gehindert. Viele der Häftlinge starben, auch sollen amerikanische Tiefflieger, welche die Kolonne irrtümlicherweise für eine Wehrmachtsformation hielten, in diese geschossen haben.
 
Gegen 15 Uhr kamen wieder vier amerikanische Bomber und bombardierten diesmal gezielt den oberen Bahnhof. Dabei wurde der Bahnhof schwer getroffen, viele der dort abgestellten Wagen wurden zerstört (vgl. M 26). Laut Augenzeugen sollen die Gleise hunderte Meter weit geflogen sein. Schweren Schaden nahm auch die Rosenbrauerei, welche einen Volltreffer erhielt, der das Lager, die Verladerampe und die Picherei zerstörte. Die Gebäude im Umfeld der Brauerei erlitten Dach- und Glasschaden.
 
Insgesamt kamen während dieser schweren Bombenangriffe 58 Menschen zu Tode.
 
Am 11. April wurde die Stadt von großen Fliegerverbänden überflogen und es gab den ganzen Tag Vollalarm. Es verdichteten sich zudem die Gerüchte über das Näherrücken der Alliierten.
 
Gegen Abend kam es zu einem Tieffliegerangriff, welcher vor allem Bodelwitz und Köstitz traf, einige Personen wurden tödlich getroffen, weitere verwundet. Auch andere Städte und Orte in der näheren Umgebung wurden schwer getroffen, so wurde der Saalfelder Bahnhof stark verwüstet. Rudolstadt wurde so schwer von Tieffliegern angegriffen, dass sehr viele Menschenopfer zu beklagen waren. Am Abend des 12.April standen die Alliierten auf der Linie Eisleben-Weißenfels-Jena.
 
Aufgrund der immer näher rückenden Front erhielt der Volkssturm am 13. April den Befehl, Panzerfallen und Schützenlöcher zu bauen, wobei die Bevölkerung die Einheiten aufforderte, diesen Befehl nicht nachzukommen, um die Stadt nicht zum Kampfgebiet werden zu lassen.
 
Am selben Tag wurde bekannt, dass sich der Ortsgruppenleiter Weinert mitsamt Familie tags zuvor umgebracht hatte. Hinzu kam, dass der Leiter der HJ in Pößneck Kynast, welcher kurz vorher noch die Jugendlichen zur Verteidigung aufgefordert hatte, auf rätselhafte Weise verschwand. Die Hitlerjugend hatte kurz vorher laut einer Meldung Kynasts vor dem Kampfkommandanten Pößnecks, Oberstleutnant Stubenrauch, eine Kampfstärke von 662 Mann. Nach diesen Vorkommnissen begannen sich die nationalsozialistischen Strukturen aufzulösen.
 
Einen Tag vor der Übergabe der Stadt, in den frühen Morgenstunden von 1 bis 5 Uhr am 14. April beschossen die Amerikaner Pößneck mit Artillerie. Pößneck war zu diesem Zeitpunkt bereits völlig eingeschlossen. Über die Richtung des Feuers gibt es unterschiedliche, z.T. widersprüchliche Angaben. So soll das Feuer großteils von Süden gekommen sein, es gibt jedoch auch Berichte, dass ausschließlich aus nördlicher Richtung gefeuert wurde.
 
Besonders getroffen wurden die obere Grabenstraße, die Plätze vor und hinter der Bürgerschule, der Steinweg, die C.G.Vogel-Straße und die Gustav-Schütz-Straße (vgl. M 9). Zur Zeit des Angriffs befanden sich die meisten Bürger nicht in den Kellern, wodurch eine große Hast entstand, als diese aufgesucht wurden. Dabei wäre es fast zu einer Panik gekommen, da die Granaten über den Köpfen der Bürger einschlugen. Erstaunlicherweise kam es zu keinen Personenschäden. Bei den Häusern allerdings waren Dach- und Glasschäden zu verzeichnen.
 
Das Artilleriefeuer erzielte eine starke demoralisierende Wirkung auf die Bevölkerung, stärker noch als es die Bombardierungen geschafft hatten. Der Artilleriebeschuss trug mit zur Auflösung des Volksturmes um 6 Uhr am selben Tag bei, was in Verbindung mit dem Abzug der letzten Wehrmachtkräfte die Grundlage für die kampflose Übergabe der Stadt bildete.
 
3.2 Die Lage der Bevölkerung in den letzten Kriegstagen
Ab Anfang 1945 überflogen immer häufiger alliierte Luftgeschwader die Stadt. Den Bewohnern war von nun an klar, dass auch ihre Stadt potentielles Ziel der gegnerischen Bomberverbände war. Es kam zu einer regen Errichtung von Luftschutzräumen, Kellern und Splittergräben (vgl. M 7).
 
Die Tage, an denen es Luftalarm gab, häuften sich; immer öfter blieben Betriebe und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Unter der Bevölkerung herrschte große Angst und Nervosität, das Leben begann sich immer mehr in den Kellern und Luftschutzräumen abzuspielen. Am 6. Februar 1945 fielen das erste Mal Bomben auf Pößneck.
 
Am 3. April standen die Alliierten kurz vor Meiningen und Eisenach, wodurch Pößneck frontnahe Stadt wurde und noch mehr in das Fadenkreuz der alliierten Bomber geriet.
 
Von nun an wurden große Teile des Tages und der Nächte in den Kellern verbracht.
 
Wer die Möglichkeit hatte, floh zu Verwandten aufs Land. Die Straßen waren wie leergefegt, nur einige Militärangehörige und die sich zeitweise bildenden Schlangen vor den Lebensmittelgeschäften, welche die Folge von Hamsterkäufen waren, hauchten den Straßen etwas Leben ein. Informationen über die heranrückenden alliierten Truppen sorgten für Angst vor einer möglichen Verteidigung der Stadt, welche eine Zerstörung zur Folge gehabt hätte.
 
Der größten Belastung war die Pößnecker Bevölkerung in den Tagen der sogenannten Schreckenswoche vom 8. bis 15. April ausgesetzt. Anna Drescher, eine Augenzeugin aus Pößneck, beschreibt in ihrem Tagebuch den ersten Bombenabwurf wie folgt: "Die ersten Bomben fielen. Alle Fenster in der Küche wurden aufgerissen. Ich natürlich schnell auch in den Keller und schon zitterte unser Haus von den folgenden Bomben. Es ist ein eigenartiger Knall, ganz kurz, aber heftig. Ganz erschüttert kamen wir, als es Ruhe war, aus dem Keller. Die Stadt brannte an etlichen Stellen."
 
Während der Angriffe herrschte unbeschreibliche Angst und Furcht in den häufig überfüllten Schutzräumen. Viele Bürger hielten den Belastungen nicht stand und rannten, trotz der anhaltenden Gefahr, durch die Straßen, um die Bombenschäden zu begutachten. "Sobald die Flieger weg waren, rannte ich im Alarmzustand durch die Stadt und siehe da, die Hauptstraße total voll Scherben und Schmutz. Unter Lebensgefahr und mit Angst und Schrecken lief ich weiter", berichtet Anna Drescher in ihren Aufzeichnungen.
 
Infolge der verheerenden Bombenangriffe war Pößneck von der Strom-, Gas- und Wasserversorgung abgeschnitten. Auch das Post- und Telefonnetz sowie nahezu der gesamte Kraftverkehr waren zusammengebrochen. Daraus folgte eine Lebensmittel- und Kohleknappheit. Diese katastrophale Lage stellte für jeden Pößnecker Bürger die wohl schwierigste Alltagssituation dar.
 
3.3 Die Übergabe der Stadt Pößneck
Am 12. April errichtete Kampfkommandant Major von Gorup einen Gefechtsstand in und um den Vogel-Verlag. Ihm standen zu dieser Zeit nur zwei schwache Kompanien sowie eine kleine Volkssturmeinheit zur Verfügung. Am selben Tag wurde der Volkssturm auf dem Pößnecker Marktplatz zusammengerufen, jedoch erschienen von der ursprünglichen Kompanie nur etwa die Hälfte der erwarteten 120 Mann, welche den Befehl zur Errichtung von Verteidigungsanlagen erhielten. Die Bevölkerung war bereits zu diesem Zeitpunkt strikt gegen eine Verteidigung der Stadt und versuchte die Sturmmänner an ihrem Vorhaben zu hindern (vgl. M 27). Auch der erste Beigeordnete Freeß versuchte alles, um eine Verteidigung der Stadt zu verhindern. Am 12. April gegen Mittag traf sich Freeß mit Major von Gorup zu einem klärenden Gespräch, in welchem Freeß versuchte, sinnlosen Widerstand zu verhindern: "Ich brachte zum Ausdruck, daß ein aussichtsloser Widerstand mit schwachen Kräften m. E. [meines Erachtens] nicht zu verantworten wäre, weil dann mehr zerstört wird und an Opfern entsteht als gewonnen wird." Der erste Beigeordnete erhielt jedoch trotz mehrfacher Bemühungen auch an den folgenden Tagen keine klare Stellungnahme von Gorups. In der Nacht des 14. April stand Pößneck unter starkem Artilleriefeuer. Schon eine Stunde später wurde der Befehl zur Auflösung des Volkssturms gegeben. Die Amerikaner hatten zur selben Zeit die Wege von und nach Pößneck bereits unter sicherer Kontrolle. Zu diesem Zeitpunkt war man sich auch in SA-Kreisen der nicht mehr abzuwendenden Niederlage bewusst.
 
Trotzdem regte sich sowohl in der Umgebung als auch in anderen Orten und Städten des Landes Widerstand. "Der noch vereinzelt anzutreffende deutsche Widerstand in einigen Städten, der häufig nur von Formationen des Volkssturmes ausging, wurde - zum Teil mit unverhältnismäßig harten Mitteln wie schwerem Artilleriefeuer - systematisch gebrochen."
 
So beschossen die Amerikaner am 14. April Krölpa, weil sich laut Zeitzeugenaussage auf der Kirchturmspitze Beobachtungsposten positioniert hatten, die die anrückenden amerikanischen Truppen mit Feuer empfangen wollten. Infolge des Beschusses wurde der Zwiebelturm der Kirche zerstört.
 
Trotz der Nachrichten vom Tod des Ortsgruppenleiters Weinert sowie von der Flucht des HJ Leiters Kynast drang in die Reihen der Hitlerjugend der Appell zum Durchhalten. Die Lage war für Pößneck jedoch aussichtslos. Am frühen Morgen bekam Karl Freeß die Information vom unbemerkten Abzug des Kampfkommandanten Major von Gorup. Zur selben Zeit kam es zur militärisch nutzlosen Zerstörung der Orlabrücke in Köstiz. Die amerikanischen Truppen waren in der Frühe bereits durch Langenorla und Kleindembach über die Hummelshainer Straße in Richtung Neustadt gezogen. Krölpa war besetzt, Ranis wurde von US-Truppen durchzogen und die Artillerie war bei Wernburg in Stellung gebracht. Somit hatte Pößneck keine Verbindung mehr zur Außenwelt. Selbst das Postamt mit der modernsten Telefonie war tot und nur die Fernsprecher des Luftschutzes waren noch aktiv. Zu dieser Zeit stagnierte in Pößneck der Kraftverkehr und auch der Bahnbetrieb war auf Grund der Zerstörung der Gleisanlagen durch die Bombenangriffe zum Erliegen gekommen.
 
Die ersten amerikanischen Soldaten rückten gegen zehn Uhr über Öpitz und gegen Mittag über die Raniser Straße nach Pößneck ein und wurden von den Einwohnern mit weißen Tüchern begrüßt. Der Krieg war für die Pößnecker Bevölkerung vorbei. Viele Pößnecker befanden sich in ihren Häusern und bestaunten die farbigen Soldaten, die mit offenen Jeeps durch die Stadt fuhren. Die Amerikaner hinterließen einen positiven ersten Eindruck in der Bevölkerung. Einige kamen mit älteren Menschen ins Gespräch, andere verteilten Schokolade und Kaugummi an die Kinder.
 
Quartier bezogen die Soldaten in Zelten auf den Öpitzer Wiesen, die Offiziere in den Pößnecker Villen am Altenburgring, in der Hohen Straße, auf dem Postamt, im Hotel "Posthirsch" und der Raniser Straße. Teilweise mussten diese Häuser für die amerikanischen Besatzer geräumt werden.
 
Indes wurden die Auflagen für die Einwohner Pößnecks weiter verschärft. Dies beinhaltete ein Verbot aller Parteien und Organisationen des NS-Regimes, die Meldepflicht aller Wehrmachtsangehöriger und anderer NS-Organisationen und die Abgabe von Kriegsmaterial, also Waffen, Ferngläsern und auch Fotoapparaten. Für die Bevölkerung wurden nun weitere Reglementierungen verkündet und so begann eine Art Neuorientierung in Pößneck.
 
4. Pößneck und Umgebung unter amerikanischer Besatzung
4.1 Übernahme sowie Um - und Wiederaufbau der Verwaltung
Mit dem Einmarsch der US-Truppen und der Auflösung der bisherigen Ordnungsgewalt begannen nun jedoch auch die Plünderungen. Besonders betroffen war die Weberei Wagner & Walther, aus der Wäschestücke entwendet wurden, ebenso wie der obere Güterbahnhof, dessen letzte noch erhaltene Waggons den Plünderern zum Opfer fielen. Daher bat die Pößnecker Bürgerschaft beim amerikanischen Stadtkommandanten um Hilfe zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung. Zu diesem Zweck stellte er Ersatzpolizisten auf, die gemeinsam mit der amerikanischen Streife gefährdete Objekte kontrollierten, um noch gezielter gegen die anhaltenden Plünderungen vorzugehen. Vor allem nach einem Hilfegesuch Pößnecker Fabrikanten schritt die amerikanische Kommandantur ein und ernannte die Ersatzpolizisten zu Hilfspolizisten. Diese wurden mit Uniformen und Waffen ausgestattet und stellten nun einen von der amerikanischen Militärpolizei unabhängigen Streifendienst.
 
Mit dem Einmarsch der Amerikaner am 15. April übernahmen zunächst Frontoffiziere die Verwaltung Pößnecks, welche vorerst provisorischen Charakter hatte. Die amerikanische Militärverwaltung beließ sowohl den ersten Beigeordneten Karl Freeß, der schon seit geraumer Zeit die Aufgaben des Bürgermeisters übernommen hatte, als auch den Stadtrat im Amt. Dabei spielten Maßnahmen der Entnazifizierung zunächst keine Rolle. Nach kurzer Zeit wurden die befehlshabenden Frontoffiziere von Militärregierungsoffizieren abgelöst. Sie vertraten von nun an sowohl die Exekutive, die Legislative als auch die Judikative. Der Stadtrat sowie Karl Freeß spielten zu dieser Zeit keine große Rolle bei politischen Entscheidungen. Die Stadtkommandantur sowie das Hauptquartier der gesamten 30th Infantry Division befand sich in der ehemaligen Villa am Härlsberg 1.
 
Für die zivile Administration waren zahlreiche Rechtsvorschriften (Proklamationen, Gesetze, Verordnungen) vorbereitet worden, die jeweils zu Beginn der Besetzung des Verwaltungsgebietes in Kraft traten.
 
In einer Bekanntmachung vom 17. April 1945 proklamierte die Militärregierung über 20 Gesetze (vgl. M 28). Diese sollten das öffentliche Leben Pößnecks neu ordnen, vor Unruhen schützen und die politischen Wirren nach dem Kriegsende beenden. Die erlassenen Gesetze galten nicht nur für die Pößnecker Behörden, sondern auch für alle Bewohner Pößnecks. Außerdem bildeten die gesetzlichen Proklamationen die Grundlage für jegliche Entscheidungen und Anordnungen der amerikanischen Militärregierung.
 
Im festen Wissen einer nur kurzen Besetzung Thüringens und somit auch Pößnecks beließen die Amerikaner es bei Gesetzen, welche das öffentliche Leben möglichst schnell regelten und ordneten. Die amerikanische Militärregierung war zu diesem Zeitpunkt nicht darauf aus, die Grundlagen für eine demokratische Erneuerung in Thüringen zu legen. Außerdem war das politische Interesse der Pößnecker Bevölkerung nach Kriegsende recht beschränkt. Die Einwohner waren vielmehr damit beschäftigt, ihr Leben nach den schrecklichen Apriltagen wieder in die richtigen Bahnen zu lenken und ihre eigene Versorgung zu sichern.
 
4.2 Eindrücke der Bevölkerung
Die amerikanischen Besatzungstruppen wurden von dem Großteil der Pößnecker Bevölkerung als Befreier angesehen.
 
Am Tag des Einmarsches, welcher sich friedlich vollzogen hatte, hielten sich infolgedessen sehr viele Soldaten in Pößneck auf, mit jedem weiteren Tag sollten es aber weniger werden. Somit war die Besatzung als solche für die Bewohner noch weniger problematisch. Schnell kam es zu ersten direkten Kontakten zwischen Pößneckern und Amerikanern. Die Bewohner Pößnecks standen nun auch jenen Menschen gegenüber, die von der nationalsozialistischen Propaganda als rassisch minderwertige Menschen diskriminiert worden waren, in diesem Falle schwarzen US-Soldaten. Für alle Zeitzeugen blieben diese Begegnungen als ganz besondere Erinnerungen erhalten. So berichtete Frau Luba, eine Anwohnerin Langendembachs, von ihrer ersten Begegnung mit einem Schwarzen: "Wir waren natürlich im ersten Moment erschrocken, da uns immer erzählt wurde, dass Schwarze sich wie Tiere benehmen und Unmenschen seien. Es stellte sich schnell das Gegenteil heraus."
 
Anders als in größeren Städten, wo Maßnahmen zur Umerziehung der Bevölkerung sofort eine große Rolle spielten, waren diese in Pößneck zunächst weniger bedeutend. In Weimar zum Beispiel wurden Teilen der Bevölkerung die Schrecken des NS-Regimes aufgezeigt, indem General Patton die Zwangsbesichtigung des Konzentrationslagers Buchenwald durch mindestens 1000 Weimarern befahl. Dieses Bewusstsein über die Gräueltaten der Hitlerregierung kam in Pößneck erst langsam, wobei Informationen nur nach und nach durchsickerten und auf Fassungslosigkeit in der Bevölkerung stießen. Unsere Zeitzeugin Frau Luba erzählte dazu: "Als wir davon hörten, was in den Konzentrationslagern abgelaufen ist, waren wir fassungslos. Wir konnten nicht glauben, dass es so etwas gab.".
 
Die Amerikaner machten im Verlauf der Besatzungszeit auf die Pößnecker einen ausnahmslos guten Eindruck und überraschten die Deutschen mit einem bisher nicht gekannten Lebensstil. Vor allem die jungen Mädchen waren von der Lockerheit und dem Kleidungsstil der Besatzer angetan. Viele Frauen konnten dem Charme der US-Soldaten nicht widerstehen, wodurch es zu nicht wenigen Beziehungen zwischen Besatzern und Pößneckerinnen gekommen seien soll. Die Kinder wurden oft mit Schokolade und anderen Sachen beschenkt. Alten Leuten wurde Tabak und Feuer gereicht. Die Truppen beeindruckten außerdem durch ausgesprochen gutes Benehmen und Freundlichkeit.
 
Ein Teil der Besatzungstruppen wohnte in vorab geräumten Häusern. Die Tatsache, dass viele Pößnecker so ihre Wohnungen verloren, relativierte ihre ansonsten positiven Eindrücke. Auch die Familie unseres Zeitzeugen Herrn Kutschki musste ihr Haus den amerikanischen Besatzern zur Verfügung stellen: "Meine Familie musste das Haus von einem auf den anderen Tag verlassen und zu den Nachbarn ziehen. Ihr Haus durften sie nicht mehr betreten, die Stallanlage mit den Tieren dagegen schon." Aufgrund der überall vorherrschenden Hilfsbereitschaft, welche in den Zeitzeugenbefragungen immer wieder bestätigt wurde, fanden alle Bewohner der geräumten Häuser schnell wieder Obdach. Die Vereinnahmung von Häusern wurde von den Amerikanern stets friedlich, aber kompromisslos durchgeführt. Sogar das Verschwinden von Souvenirs und Alkohol erzeugte keine Wut bei den Pößneckern, da jedes verschwundene Stück stets mit Lebensmitteln vergütet wurde.
 
4.3 Die wirtschaftliche Entwicklung unter amerikanischer Besatzung
Schon mit Einmarsch der Amerikaner in Pößneck stand fest, dass Pößneck nicht lange unter amerikanischer Besatzung stehen würde. Diese Tatsache hatte zur Folge, dass die amerikanischen Besatzer während ihres nur 100-tägigen Aufenthalts recht wenig zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Pößnecks beitrugen. Die Alliierten waren in erster Linie daran interessiert, die Versorgung der Bevölkerung mit dem Nötigsten zu gewährleisten.
 
Pößneck war seit den letzten Kriegstagen komplett ohne Strom. Am 18. April gaben die Amerikaner die Wiederinstandsetzung des Kraftwerks in Auma in Auftrag. Während für die grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln gesorgt war, fehlte es vor allem an Kohle, Gas und genügend Wasser. Das Fehlen von Brennstoffen machte sich vor allem ab dem 22. April bemerkbar, Tage, in welchen das Thermometer extrem fiel. Ein Großteil der Infrastruktur um Pößneck, vor allem das Eisenbahnnetz, war nicht mehr ausreichend nutzbar, um eine schnelle Versorgung mit den fehlenden Gütern zu gewährleisten.
 
Die durch die Bombardierungen zerstörten Industriegebäude waren für die Amerikaner nicht von Interesse. Deshalb kam es schnell zu nicht unerheblichen Plünderungen. Entgegen mitunter verbreiteter Aussagen waren nicht nur die in Pößneck zurückgebliebenen Ausländer für diese Plünderungen verantwortlich, sondern auch Pößnecker, wie die Zeitzeugen bestätigten. Auch vor den Güterwagen am Oberen Bahnhof machten die Plünderer keinen Halt.
 
Gemäß den Berichten der Zeitzeugen waren es vor allem die Bauern in der Umgebung Pößnecks, die von der Zeit der Warenknappheit profitierten und sich selbst bereicherten. Da nur noch Naturalien von Wert waren, kam es zu so genannten "Hamsterfahrten" auf die Dörfer. Die Stadtbevölkerung tauschte sowohl ihre Arbeitskraft als auch Wertgegenstände gegen Lebensmittel.
 
Mit der Zeit und der langsam einkehrenden Normalität entwickelte sich auch die Wirtschaft und Industrie Pößnecks wieder, auch wenn dies ohne große Unterstützung der Besatzer geschah.
 
4.4 Flüchtlinge und Vertriebene ( Displaced Persons )
Spätestens nach dem Scheitern der "Operation Zitadelle" bei Kursk (Juli 1943), der größten Panzerschlacht der Geschichte, in welcher die deutschen Truppen den sowjetischen Truppen nach wochenlangen Gefechten unterlagen, wurde vor allem den Bewohner der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Grenze die drohende Gefahr eines Einmarsches der Roten Armee in das Reichsgebiet bewusst. Die nationalsozialistische Propaganda, welche die Sowjets bzw. die Bolschewisten als niedere Menschen diffamierte, trug ihren Teil zu der ausbrechenden Panik bei.
 
Es dauerte nicht lange, bis Ende 1943 - Anfang 1944 die ersten Flüchtlinge auch in Pößneck ankamen. Die Flucht dieser Menschen war noch gut organisiert, viele kamen mit der Eisenbahn und Möbelwagen, in welchen sich ihr mitgebrachtes Hab und Gut befand. Sie kamen zum Großteil bei Verwandten unter. Die Möbelwagen blieben, wie unsere Zeitzeugen zu berichten wussten, meist am oberen Bahnhof stehen, da in den meist kleinen Unterkünften kein Platz für die geretteten Habseligkeiten war.
 
Die Situation änderte sich mit dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpreußen ab Oktober 1944. Was viele Deutsche nicht glauben wollten, war nun eingetreten, die Sowjets befanden sich auf deutschem Gebiet. Ab diesem Zeitpunkt kann man erstmals von vertriebenen Deutschen sprechen, denn immer mehr Menschen ergriffen nun die Flucht, meist nur mit Leiterwagen, Pferden und dem Nötigsten. Ab Frühjahr 1945 kamen die ersten sogenannten Trecks in Pößneck an. Die Menschen waren nach diesem langen Weg körperlich und seelisch am Boden. Sie waren abgemagert und hatten in einigen Fällen Angehörige verloren. Einer unserer Zeitzeugen berichtete von Leichen in den Straßengräben der Zugangsstraße aus Richtung Neustadt (heutige B 281), welche später provisorisch beerdigt wurden. Zu dieser Zeit herrschte große Solidarität unter den Menschen, jeder half, so gut er konnte. Jedes freie Zimmer der Stadt wurde den Flüchtlingen und Vertriebenen zur Verfügung gestellt. Sie wurden mit Lebensmitteln und dem Nötigsten versorgt und nicht selten in die Familien integriert. Die Einwohnerzahl Pößnecks stieg im Jahr 1945 auf den höchsten Stand der Stadtgeschichte. Viele der Entwurzelten fanden in Pößneck und Umgebung eine neue Heimat und leben mit ihren Nachkommen noch heute in unserer Region.
 
5. Der Besatzungswechsel
"Schon 1944 hatten die alliierten Hauptmächte für den Fall der deutschen Kapitulation die Grenzen der künftigen Besatzungszonen festgelegt. Thüringen sollte zum sowjetischen Besatzungsgebiet gehören. Der Stand der Kampfhandlungen im Frühjahr 1945 hatte jedoch eine vorübergehende Okkupation durch amerikanische Streitkräfte zur Folge." Anfang Juli 1945 vollzog sich in Thüringen der Wechsel der Besatzungsmächte, nachdem die Berliner Beratung der Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte am 5. Juni 1945 die Einteilung der Besatzungszonen noch einmal bestätigt hatte.
 
Mit Bekanntwerden der Tatsache, dass die US-Army Thüringen verlässt und die Rote Armee einzieht, kam es Mitte Juni zu einer erneuten Beunruhigung der Pößnecker Bevölkerung. Die Erzählungen der Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien, die von ihren schrecklichen Erfahrungen mit den sowjetischen Truppen beim Verlassen ihrer Heimat berichteten, führten in Pößneck zu großer Besorgnis. Auch die jahrelange antibolschewistische, nationalsozialistische Propaganda, die das Bild vom Russen als minderwertigen Untermenschen verbreitete, hatte Spuren in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Bis Ende des Monats hatten die Amerikaner alle notwendigen Vorbereitungen zum Verlassen der Stadt getroffen. Nach deren Abzug war die Stadt kurze Zeit ohne Besatzung.
 
Am 2. Juli 1945 rückten dann die ersten Soldaten der Roten Armee in Pößneck ein. Die Stadt selbst präsentierte sich den sowjetischen Besatzern ähnlich wie ihren amerikanischen Vorgängern. Die verängstigte Bevölkerung versteckte sich hinter den Fenstern und nur vereinzelt wagten sich Bürger auf die Straße. Ganz anders jedoch war der Eindruck, den die Pößnecker von den einziehenden Soldaten erhielten, waren die Rotarmisten doch viel weniger ansehnlich gekleidet als die Amerikaner und sie fuhren anstatt in modernen Jeeps in primitiven Kolonnen aus Panjewagen. Ihre Soldaten marschierten grölend, sichtlich von den Anstrengungen der zurückliegenden Kampfhandlungen gezeichnet, in die Stadt ein. Der Zug der sowjetischen Soldaten führte über die Saalfelder Straße in die Bahnhofstraße und letztlich zum Postamt und dem Hotel Posthirsch, wo sie rasch Quartier bezogen und eine Kommandantur errichtet wurde. Schon kurze Zeit später erfolgten erneut Befehle an die Bevölkerung, die unter anderem die sofortige Meldung aller ehemaligen Wehrmachtsangehörigen oder auch die Abgabe von Waffen- und Kriegsmaterial forderten. Mit der Beschlussfassung der Wiedergutmachung am Volk der Sowjetunion begannen unter Aufsicht der Roten Armee die ersten Demontagen, die in der folgenden Zeit vermehrt werden sollten. Für die Pößnecker Bevölkerung war mit dem Einmarsch der Sowjets, nach der militärischen Niederlage Deutschlands und der kurzen Besatzung durch die Amerikaner, ein weiterer Neuanfang im Schicksalsjahr 1945 angebrochen.
 
6. Pößneck und Umgebung unter sowjetischer Besatzung
6.1 Die sowjetische Verwaltung
Entsprechend den Beschlüssen der Konferenz von Jalta über die Besatzungszonen in Deutschland räumten die Amerikaner bis zum 2. Juli 1945 Thüringen und in den darauf folgenden Tagen besetzte die 8. sowjetische Gardearmee unter Generaloberst Tschuikow das Gebiet Thüringens. Sofort begannen politische Offiziere, Verbindung zu den bereits unter den Amerikanern aufgebauten Selbstverwaltungsorganen aufzunehmen.
 
Resultierend aus dem Befehl Nr. 5 der SMAD, welcher die Organisierung eines normalen Lebens in den Provinzen vorsah, wurde die SMATh unter den Befehl Generaloberst Tschuikows ins Leben gerufen. Diese Militärverwaltung hatte seit dem 11. Juli ihren Sitz in der damaligen Landeshauptstadt Weimar und besaß Fachabteilungen für Industrie, Landwirtschaft, Finanzen, Arbeitskräfte, Handel, Versorgung, Volksbildung und Gesundheit.
 
Die Verwaltung Thüringens war stark von der SMATh abhängig. Zu Beginn ließen die neuen Besatzer den noch aus der Zeit der Amerikaner stammenden Regierungspräsidenten Hermann Brill (SPD) im Amt, ersetzten diesen jedoch Mitte Juli durch Rudolf Paul, welcher einer neuen Landesverwaltung vorstand, deren Schlüsselressorts wie Inneres von Kommunisten besetzt wurden. Auch sonst griff die SMATh sehr stark in den Verwaltungsapparat ein, indem sie auf eine starke Verflechtung von Militäradministration und Landesverwaltung bedacht war sowie die Verwaltung eng an ihre Befehle band und deren Durchsetzung rigoros verfolgte.
 
Die Militäradministration ließ Parteien zu, welche teilweise schon zur Zeit der US-Besatzung begonnen hatten, sich neu zu organisieren, so die KPD und die SPD. Neben diesen gründeten sich noch die CDU und die LDP. Diese Parteien waren sehr stark von den sowjetischen Besatzern abhängig, da ihre Mitglieder sich registrieren lassen mussten und die Parteien sich verpflichten mussten, unter den Vorgaben der SMATh zu arbeiten. Die KPD unterstützte bedingungslos die sowjetische Besatzungsmacht und wurde so auch von dieser bevorzugt behandelt. So begannen im Dezember 1945 Repressalien der SMATh gegen die thüringische SPD und ihr Parteichef Hermann Brill musste aufgrund seiner ablehnenden Haltung im Hinblick auf die Vereinigung von KPD und SPD zur SED zurücktreten. Auch bei den anderen thüringischen Parteien war die SMATh dazu in der Lage, die Wahl von Personen, die nicht den Vorstellungen der Besatzer entsprachen, zu verhindern. Das Blocksystem, welches durch die Gründung der Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien am 18. August 1945 eingerichtet wurde, verhinderte ebenso eine eigenständige Betätigung der Parteien, da die Einstimmigkeit bei Beschlussfassung zur Voraussetzung gemacht wurde.
 
In Pößneck hatte inzwischen Alfred Bochert das Amt des Bürgermeisters inne. Schon zu Beginn der sowjetischen Besatzung kam es zu Veränderungen in der Pößnecker Verwaltung. Durch die zentrale Steuerung der Wirtschaft, die die neuen Besatzer einführten, mussten neue Abteilungen in der Stadtverwaltung geschaffen werden. Zum einen die Industrie- und zum anderen die Landwirtschaftsabteilung. Durch die zentrale Lenkung war es nötig geworden, die Kreise Thüringens, so auch den Kreis Saalfeld, zu dem Pößneck gehörte, in Arbeitsbereiche zu gliedern, welche für die Durchführung der landwirtschaftlichen Maßnahmen zuständig waren. Zum Bereich Pößnecks gehörten: Bodelwitz, Friedebach, Herschdorf, Hütten, Kleindembach, Langendembach, Langenorla, Rehmen, Schweinitz und Wernburg.
 
Die sowjetischen Besatzer verlangten zu Beginn so viele Akteneinsichten, dass laut Bochert die Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Nächte durcharbeiten mussten, um alle benötigten Unterlagen zusammenzutragen.
 
Der Schienenverkehr auf der oberen Bahn konnte zwar schon am 11. Juni wieder aufgenommen werden, jedoch musste der Verkehr Richtung Saalfeld über die Orlatalbahn umgeleitet werden, da die direkte Strecke noch nicht befahrbar war. Diese Bahnstrecke nahm ihren Betrieb am 3. Juli wieder auf, jedoch konnten die Züge hier nicht bis Orlamünde fahren, da eine Brücke kurz vor Kriegsende gesprengt wurde und noch nicht wieder aufgebaut war.
 
In der Anfangszeit der sowjetischen Besatzung waren die Schulen immer noch geschlossen, da sie als Truppenunterkünfte von Seiten der Besatzungsbehörden genutzt wurden. Die ehemalige Bürgerschule wurde als Grundschule im Herbst wieder eröffnet, ebenso die Oberschule; jedoch war ein Großteil des Lehrmaterials nicht mehr brauchbar, da es aus ideologischen und politischen Gründen nicht verwendet werden konnte. Wegen nationalsozialistischer Gesinnung und entsprechender Parteizugehörigkeit wurden auch viele Lehrer entlassen, was einen Mangel an Lehrkräften nach sich zog.
 
Ebenso verhielt es sich mit der Lage der Vereine, welche aus politischen Gründen aufgelöst wurden, da unabhängige Vereine nicht im Sinne der SMA* waren. Das Vermögen und der Besitz der Vereine wurden treuhänderisch von den jeweiligen Gemeinden verwaltet. Der Sport sollte nun unter Verantwortung des Bürgermeisters fortgeführt werden und im Gemeinderahmen stattfinden. Dies führte zur Schaffung des Postens eines Sportbeauftragten.
 
Da auch sämtliche Jugendorganisationen aufgelöst waren, stand die Jugend laut Bochert "ohne jede Führung rat- und tatlos dem neuen Zeitgeschehen gegenüber ", was er als "aus staatspolitischen Gründen untragbar" einschätzte.
 
Ebenso aufgelöst war die NS-Frauenschaft, anstelle derer die Stadt z.B. eine Frauensekretärin einstellte und Frauenausschüsse bildete. "Die [Pößneckerinnen] sollten, nachdem die NS-Frauenschaft weggefallen war, nicht ohne Orientierung bleiben".
 
Auch der Aufbau der Polizei wurde forciert und Prinzipien der Entlohnung festgelegt, trotzdem gab es auch hier einige Rückschläge.
 
Es kam mehrmals zum Tausch von Grundstücken und Gebäuden, so z.B. zum Tausch des zerstörten Logengebäudes, welches im Besitz der Stadt war, gegen das Gebäude Neustädter Straße Nr. 1. Dieser Tausch war insofern bedeutend, da dort ein Notkrankenhaus eingerichtet wurde. Dies war aufgrund der Inanspruchnahme des richtigen Krankenhauses durch die Besatzer notwendig geworden. Das Notkrankenhaus beherbergte zu Beginn 60, später 90 Betten.
 
Einer der wichtigsten Ausschüsse war der Wohlfahrtsausschuss, welcher vielfältige Aufgaben besaß. Er war für die Versorgung der Kriegerfrauen, wie auch für die Versorgung der heimkehrenden Soldaten verantwortlich. Auch die Renten wurden durch dieses Organ neu geordnet und festgesetzt, so dass die Altersvorsorge gewährleistet blieb. Ebenso mussten die Westevakuierten, vor allem ausgebombte Personen, die während des Krieges nach Pößneck kamen, wieder zurück transportiert werden. Dieses Unternehmen begann ab dem Herbst 1945. Etwa zeitgleich kamen jedoch die ersten von ca. 400 Flüchtlingen aus der Tschechoslowakei an, welche untergebracht und versorgt werden mussten. Wie schon vorher bei der Versorgung und Unterbringung der anderen Flüchtlinge war auch hierfür der Wohlfahrtsausschuss verantwortlich.
 
Am 16.10.1945 wurde die Bildung und die Wahl von Kommunalen Beiräten angeordnet. Dies konnte jedoch im Jahre 1945 nicht mehr geschehen, sondern begann erst im Januar 1946.
 
6.2 Eindrücke der Bevölkerung
Schon der erste äußere Eindruck, den die Pößnecker von den Rotarmisten gewannen, war grundverschieden von dem der US-Soldaten. Anders als von den Amerikanern gewohnt, erhielten die Bewohner der Stadt und der Umgebung keine Süßigkeiten oder Ähnliches von den neuen Besatzern.
 
Für viele Pößnecker kam die Übernahme durch die Russen doch recht überraschend und Zeitzeugen bestätigten, dass in den breiten Bevölkerungsteilen Missmut über deren Einrücken herrschte. "Wir waren erstmal enttäuscht, da die Amerikaner sich als milde Besatzer erwiesen hatten." Hinzu kam die Furcht vor möglichen Revanchegelüsten der Sowjets, denn "die [Nationalsozialisten] haben sie ja immer hingestellt als wären es Bestien", so einer unserer Zeitzeugen.
 
Die meisten Vorurteile lösten sich ähnlich wie bei den Amerikanern für die Pößnecker schnell in Luft auf, andere bestätigten sich jedoch zum Teil. So wusste eine Zeitzeugin Negatives über das Verhalten von Soldaten unterer Dienstränge zu berichten. Bei einem Tanz in Langendembach sollen sowjetische Soldaten versucht haben, Mädchen zu belästigen, was von den anwesenden Offizieren jedoch sofort unterbunden und mit harten Strafen verfolgt wurde.
 
Insgesamt konnten uns alle Zeitzeugen bestätigen, dass die sowjetischen Soldaten viel weniger in direktem Kontakt zur Pößnecker Bevölkerung standen als ihre Vorgänger, da der Großteil dieser Soldaten seine Unterkünfte nicht einfach verlassen konnte. Die Soldaten waren auch weitaus mehr von den Schrecken des Krieges gezeichnet und wirkten ernster, zum Teil eben auch brutaler. Nachrichten über furchtbare Taten von Soldaten wie zu Zeiten des Krieges in den Ostgebieten des deutschen Reiches sind in Pößneck und Umgebung nicht bekannt, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Offiziere der Sowjetischen Armee ihre Truppen hier, mit einer gewissen zeitlichen und örtlichen Distanz zum unvorstellbar grausamen Kriegsalltag, eher disziplinieren konnten und wollten.
 
6.3 Die wirtschaftliche Entwicklung unter sowjetischer Besatzung
Die amerikanischen Truppen, die am 2.Juli 1945 den Sowjets Thüringen überließen, hatten kaum Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung genommen. Dies lag einerseits daran, dass ihnen von Beginn an klar war, dass sie das Gebiet und damit auch Pößneck nicht dauerhaft besetzen werden, zum anderen an der mit kaum einmal 100 Tagen zu kurzen Zeit, um Wesentliches zu verändern. Nur einzelne wichtige Maßnahmen zur notwendigsten Verbesserung der Infrastruktur wurden getätigt.
 
Im Gegensatz dazu waren die neuen sowjetischen Besatzer ernsthaft an einem wirtschaftlichen Wiederaufbau interessiert, um dauerhaft für das besetzte Gebiet Grundlagen für ein politisches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Regime nach Vorbild der UdSSR aufzubauen. So wurde auch in Pößneck eine Verwaltung unter sowjetischer Regie eingesetzt. Im Jahre 1945 diente sie vor allem zur Koordinierung des Wiederaufbaus und zur Entwicklung einer eigenständigen Wirtschaft. Die Gründe für dieses große Engagement sind vielschichtig. Zum einen sollte auch Pößneck eine dauerhafte Planwirtschaft bekommen und so ein Teil des kommunistischen Regimes werden. Zum anderen sollte natürlich auch eine Grundlage für die hohen Reparationszahlungen gewährleistet sein. Denn auch die Besatzer erkannten, dass ohne eine funktionierende Wirtschaft und ertragreiche Unternehmen aus den kriegsgeschädigten Teilen Deutschlands kein Kapital zu schlagen war. Des Weiteren wollte man im Kräftemessen gegen die westliche Konkurrenz bestehen können. Auch sollte mit der Entnazifizierung und dem Einbringen stalinistischen Gedankengutes dem radikalnationalen Streben der Deutschen nun endgültig ein Ende gesetzt werden. Bezogen auf unsere Region wurden nur Unternehmen unterstützt, die sich klar zu der neuen Ideologie bekannten und keine faschistischen Tendenzen mehr zuließen. Alle Personen, die dies in ihrer Firma nicht akzeptierten, wurden aussortiert und hatten keine Zukunft im Nachkriegs-Pößneck.
 
Insgesamt sollte innerhalb der Firmen ein demokratischer Aufbruch herrschen, der vor allem durch einen Betriebsrat umgesetzt werden sollte. So sollten die Mitarbeiter ein gewisses Mitbestimmungsrecht erhalten und die Entscheidungen sollten nicht allein von wenigen führenden Mitarbeitern getroffen werden. Die sowjetischen Besatzer versuchten indes, eine Planwirtschaft nach stalinistischen Prinzipien aufzubauen und diese in den Firmen zu etablieren. Dies geschah auf Landesebene durch die SMATh und in der Region um Pößneck durch die verschiedenen Ämter und Behörden, welche unter deutlichem Einfluss der Sowjets standen.
 
Mittels Rohstofflieferungen, durch die die Unternehmen erst einmal wieder die Grundlage zu einer erneuten Produktion bekommen sollten, hofften die Sowjets, die Wirtschaft wieder in Gang bringen zu können.
 
Eine weitere Unterstützung für die Unternehmen durch die Besatzungsmacht war die Schaffung von Nachfrage. So hatten die Firmen von Beginn an Aufträge, welche vor allem aus dem Osten Europas kamen. Außerdem wurde auch in Pößneck die Infrastruktur bis zu einem bestimmten Grad gefördert. So wurden schon einige Tage nach der sowjetischen Machtübernahme die Gleise repariert, um eine Anbindung an andere Wirtschaftszentren zu gewährleisten. Allerdings wurde dies nur sporadisch durchgesetzt. Im gleichen Atemzug wie die Gleise repariert wurden, wurde das zweite Gleis in Richtung Jena demontiert und in Richtung Sowjetunion abtransportiert. Dies zeigt deutlich, dass die Sowjets wenig Interesse an einer wirklich großen wirtschaftlichen Entwicklung der Region hatten, sie sollte lediglich im Stande sein, die geforderten Reparationen zu tragen. So standen deren eigene Interessen deutlich vor denen der Menschen in Deutschland und damit auch Pößnecks.
 
Die Maßnahmen zur Förderung der Infrastruktur in Pößneck wurden hauptsächlich von der sowjetischen Kommandantur organisiert und von einheimischen Firmen umgesetzt. Zu nennen sind hierbei beispielsweise Firmen wie Silge, Tietsch & Scherneck oder Heilig, welche nachweisbar am Aufbau der zerstörten Teile Pößnecks beteiligt waren. So wurde auch der Auftrag zum Bau der Brücken, welche die Amerikaner noch nicht repariert hatten, gegeben. Ein Beispiel hierfür ist die Kotschaubrücke in der Jenaer Straße, welche während des Krieges durch eine Sprengung fast vollständig zerstört wurde. Ein anderer Punkt, der von den Besatzern gefördert wurde, waren die verschiedenen Baumaßnahmen der Firmen in Pößneck. So wurde zum Beispiel bei Horn & Co ein Maßnahmenpaket zum Schutze des Maschinenparks vor Diebstahl oder Zerstörung verabschiedet.
 
Durch diverse zerstörte und baufällige Gebäude im Stadtgebiet und durch die Flüchtlingswelle aus dem Osten entstand auch in Pößneck eine Wohnungsnot, welche von den zuständigen Behörden behoben werden musste. Es formierte sich recht schnell ein Wohnungs- und Bauausschuss, welcher solche und andere Themen behandelte. In einer Sitzung des "Volksausschusses für Wiederaufbau und Freiheit" unter Führung des amtierenden Bürgermeisters Alfred Bochert wurde am 11.Juli 1945 ein "Sofortprogramm zur Behebung der dringenden Wohnungsnot" eingeleitet.
 
Neben dem wirtschaftlichen Aufbau wurde auch auf sozialer Ebene unter der neuen Führung einiges verändert. Um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, wurde eine Hilfspolizei in Pößneck eingesetzt. Sie sollte für Ordnung im sozialistischen Sinne sorgen, d.h. auch eventuelle Störungen aus der Bevölkerung heraus verhindern. Sie hatte eine Stärke von 40 Mann. Ein anderer wichtiger Punkt für die Normalisierung der Alltagssituation in Pößneck war die Wiedereröffnung der Schulen. Auf Beschluss des Verwaltungsrates konnten diese ab Anfang September 1945 ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Das Bemühen der sowjetischen Besatzungsmacht zielte letztendlich vor allem darauf ab, auch in Pößneck Strukturen aufzubauen, die in ihre politischen Pläne passten, um dieses Gebiet als Besatzungszone der sowjetischen Führung unterzuordnen.
 
6.4 Demontagen, Entnazifizierung und Enteignungen
Im Gegensatz zu den Amerikanern demontierten die sowjetischen Besatzer bereits kurz nach dem Besatzungswechsel mehrere Dinge infolge ihrer Reparationsforderungen. So wurden die zweiten Gleise der Strecke Saalfeld-Leipzig abgebaut, was zu großen Problemen im Transportwesen und somit zu Versorgungsengpässen, vor allem bei der Kohle, führte.
 
Aber auch Pößnecker Betriebe blieben von den Demontagen nicht verschont. So wurde die während des Krieges aus Hamburg evakuierte Maihak, welche kriegswichtige Messinstrumente herstellte, demontiert. Auch der C.G. Vogel-Verlag fiel diesen Maßnahmen zum Opfer, unter anderem wurde die modernste Rotationsdruckmaschine der Welt abgebaut. Dadurch konnte der C.G. Vogel-Verlag nicht mehr produzieren. Die ehemaligen Angestellten kamen aber beim Gerold-Verlag unter.
 
Auch kleinere Unternehmen in Pößnecks Umland, wie etwa das Sägewerk Tittelbach in Rehmen, verloren so an ihrer Wirtschaftlichkeit.
 
Im Gegensatz zu den Amerikanern war die Durchführung der Entnazifizierung für die sowjetischen Besatzer wegen ihrer ideologischen Bedeutung von enormer Wichtigkeit. Es kam zu Entlassungen aus dem öffentlichen Dienst, beispielsweise wurden Unternehmer wegen des Vorwurfs der Verwicklung ins Regime des Dritten Reiches aus ihren Positionen entfernt, einige sogar zur sogenannten "Umerziehung" in das ehemalige KZ Buchenwald, welches unter der Aufsicht der SMAD als Internierungslager weiterbestand, gebracht.
 
Es bestand allerdings die Möglichkeit, einen Antrag auf Wiederverwendung zu stellen. Solch einen Versuch startete auch der ehemalige erste Beigeordnete und kommissarische Bürgermeister Karl Freeß. Trotz der Billigung durch den zuständigen Volksausschuss kam es nicht mehr zu einer Durchsetzung seines Gesuches. Er wurde am 15.7.1945 von den Besatzern festgenommen und kam zuerst einige Wochen in das Pößnecker Gefängnis. Von dort aus sollte auch er in das Sowjetische Sonderlager Buchenwald transportiert werden. Dort kam er jedoch nie an, da er am 25. August 1945 auf Beschluss eines Militärtribunals nach Artikel 58-23 des Strafgesetzbuches der RSFSR zum Tode durch Erschießen verurteilt wurde. Das Urteil wurde am 6. September des Jahres vollstreckt. Sein genauer Todesort ist bis heute unbekannt, jedoch wurde seine Strafe im Jahr 2001 posthum durch ein russisches Gericht auf 5 Jahre Haft verändert.
 
Ab dem 10. September 1945 kam es zur Durchführung der Bodenreform in Thüringen. Dadurch wurden alle Flächen von Grundbesitzern, welche mehr als 100 Hektar Land betrugen, vollständig und ohne Entschädigung beschlagnahmt. Enteignet wurden aber auch Kriegsverbrecher und belastete Nationalsozialisten, wobei im Ort oder der Stadt ansässige Sozialisten und Kommunisten darüber entschieden, wer Kriegs- oder Naziverbrecher war. Das enteignete Land wurde zuerst in Bodenfonds der Länder überführt, aus welchen im Oktober ein Großteil des Bodens zur Nutzung an sogenannte Neubauern, meist Flüchtlinge aus den Ostgebieten sowie ehemalige Landarbeiter oder Industriearbeiter in einer Größe von 5 ha pro Antragsteller verteilt wurde.
 
Durch die Bodenreform kam es natürlich auch in Pößneck und Umgebung zu einer Neuverteilung des Bodens und zu einer starken Veränderung der Besitzverhältnisse. Deutlich wird dies am Beispiel der Altenburg. Der Berg gehörte bis zur Bodenreform den Herren von Erffa und damit formell zu Wernburg, was zur Folge hatte, dass bis 1945 die Altenburg zu Preußen und nicht zu Thüringen zählte. Mit der Durchsetzung der neuen Verordnungen wurden die Herren von Erffa enteignet und die Altenburg kam als Gebietsabrundung zu Pößneck. Ähnliches geschah auch mit anderen enteigneten Gebieten, durch die die Pößnecker Flur an Zuwachs gewann. Solche Gebietsabrundungen kamen auch auf Betreiben des Bürgermeisters Bochert zustande.
 
7. Zusammenfassung
Die Grundlage für die Entstehung unserer Seminarfacharbeit zum Thema "Das Kriegsende im Raum Pößneck und die damit verbundenen gesellschaftlichen Entwicklungen im Jahre 1945" bildeten neben persönlichen Aufzeichnungen und schriftlichen Quellen auch lokales Archivmaterial und vor allem Zeitzeugenbefragungen. Durch die hier gewonnenen Informationen versuchten wir einen zusammenhängenden Überblick über die lokalgeschichtlichen Begebenheiten am Ende des Zweiten Weltkrieges für unsere Heimatstadt Pößneck zu erstellen. Um den Lesern unserer Seminarfacharbeit einen möglichst problemlosen Einstieg in diese Thematik zu gewährleisten, hielten wir es für nötig, unseren Hauptuntersuchungen eine kurze Vorbetrachtung über die politische, wirtschaftliche und militärische Situation vor und während des Krieges voranzustellen.
 
Einen der Schwerpunkte unserer Arbeit bildete die Betrachtung der letzten Kriegstage in Pößneck. Mit der ab Mitte 1943 immer näher rückenden Front entwickelte sich auch in Pößneck ein Bewusstsein für die möglichen Kriegsgefahren. Dies äußerte sich anhand des verstärkten Baus von Schutzeinrichtungen, in denen die Bevölkerung Pößnecks dann ab Anfang April 1945 Zuflucht fand. Im Zeitraum vom 8. bis zum 12. April wurde Pößneck Opfer schwerer Bombardements, wobei 58 Tote und zahlreiche Zerstörungen an Wohnhäusern, Fabrikgebäuden und Bahnhofsanlagen die Bilanz dieser Luftangriffe darstellten.
 
Weiterhin beleuchteten wir das Ende des Nationalsozialismus in unserer Region und die Übergabe Pößnecks an die neuen Machthaber. Wir fanden heraus, dass es der Courage des ersten Beigeordneten Freeß zu verdanken war, dass trotz letzter Widerstandsbemühungen von Mitgliedern der HJ und des Volkssturmes, eine sinnlose Verteidigung Pößnecks verhindert werden konnte und die Stadt so vor größeren Zerstörungen und möglichen weiteren Verlusten an Menschenleben bewahrt wurde. Die Bevölkerung empfing die am 15. April 1945 aus Richtung Krölpa und Ranis anrückenden Soldaten mit weißen Tüchern, ihre Kapitulation signalisierend. Der schreckliche Zweite Weltkrieg und die Angst vor Bombenangriffen waren damit, zumindest für die Bewohner unserer Heimatregion, beendet.
 
Die anschließende amerikanische und sowjetische Besatzungszeit versuchten wir vergleichend zu betrachten. Zum Zeitpunkt der amerikanischen Okkupation war sowohl das wirtschaftliche wie auch das zivile Leben außer Kraft gesetzt. Ziel der Amerikaner war es, wieder eine gewisse Normalität in Pößneck einkehren zu lassen; es gab verschiedene erste Wiederaufbaumaßnahmen und Reglementierungen, die das öffentliche Leben ordnen sollten. Der Großteil der Pößnecker empfand die rund 100-tägige Besatzung durch die Amerikaner als angenehm. Infolgedessen herrschte Wehmut über den Besatzungswechsel Anfang Juli. Hierbei stellte sich heraus, dass die Pößnecker Bürger zwar über die Entscheidungen der Alliierten im Bezug auf die Einteilung der Okkupationszonen informiert waren, der Besatzungswechsel aber dennoch für nahezu alle Bewohner des Raumes Pößnecks überraschend kam. Mehr noch als gegenüber den Amerikanern waren die von der NS-Regierung propagierten Vorurteile gegenüber den Sowjets in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Bestätigen konnten sich diese Vorurteile zwar nicht, dennoch wurden die neuen Besatzer als deutlich strikter, teils auch brutaler wahrgenommen. Da sich die sowjetischen Besatzer langfristig für Thüringen verantwortlich zeigen sollten, waren ihre Bemühungen um Pößneck umfassender und intensiver. So wurde die Wirtschaft mittels Rohstofflieferungen wieder angekurbelt und auch im Bereich des Wiederaufbaus, beispielsweise von Gleisanlagen, zeigten die Sowjets großes Interesse. Gleichzeitig kam es infolge der Reparationsforderungen aber auch zu umfangreichen Demontagemaßnahmen, z.B. im C.G.Vogel-Verlag. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Besatzer administrativen und politischen Belangen. Auch in Pößneck sorgte die SMATh für eine rasche Neugründung von Parteien sowie eine Neuordnung der Verwaltung. Da die Betriebe ihre Arbeit aufnahmen und auch an den Schulen wieder unterrichtet wurde, kehrte die Stadt im Verlauf des Jahres 1945 immer mehr zur Normalisierung des Alltagslebens zurück. Noch im Herbst 1945 begann man auch in Pößneck und Umgebung die Umstrukturierung der Landwirtschaft vorzubereiten, indem man durch die Bodenreform sowohl Besitzverhältnisse auf dem Land neu regeln als auch Versorgungsengpässe beheben wollte.
 
Unser Fazit lautet: Die Aufarbeitung von regionalgeschichtlichen Ereignissen, wie es im Rahmen unserer Seminarfacharbeit unser Ziel war, erfordert auch umfassendes geschichtliches Grundlagenwissen und die nötige Distanz im Bewerten und Einordnen, um das Geschehen in unserer Heimatregion möglichst nachvollziehbar und zusammenhängend darzustellen. Nur so ist es aus Schülersicht möglich, die Vielfalt an unterschiedlichsten Quellen zu ordnen und für die eigene Betrachtung zu nutzen. Im Prozess der Erstellung der Seminarfacharbeit konnten wir unseren Interessen, heimatgeschichtliche Vorgänge zu erkunden und näher zu untersuchen, nachgehen und haben so unsere Sichtweisen und Arbeitstechniken maßgeblich erweitert.
 
Anhang
Alle Bilder im Überblick